Wasserwerte

Wie das Thema Wasserwechsel ist auch das Thema Wasserwerte in den aquaristischen Internetforen immer wieder ein beliebtes Thema, wenn nicht sogar das beliebteste Thema überhaupt. Dem Neueinsteiger in unser Hobby wird allzu oft suggeriert, dass er nur ein guter Aquarianer werden kann, wenn er die chemische Wasserzusammensetzung anhand eines ausgefeilten Testlabors lückenlos ermitteln und die ermittelten Werte auch nachts um 1 Uhr nach einer feuchten Geburtstagsfeier noch fehlerfrei und natürlich aus dem Kopf aufsagen kann.

Natürlich ist das etwas übertrieben, aber den Grundtenor erlebe ich Tag für Tag in den Foren, in denen ich versuche, gegen aquaristische Mythen und Märchen anzukämpfen. Und fakt ist, dass immer wieder nach den Wasserwerten gefragt wird, auch wenn diese für die Beurteilung der aktuellen Situation überhaupt keine Rolle spielen, und vor allem wird immer vehement vor den bösen Teststreifen gewarnt, im Forenjargon "Ratestäbchen" genannt, und es wird dem Jungaquarianer mit seinem 60er Becken die Anschaffung eines Testkoffers ans Herz gelegt, dessen Anschaffungskosten die des 60er Komplett-Sets übersteigen.

Was ist nun aber wirklich dran an der Wasserwerte-Hysterie?

Unbestritten dürfte sein, dass unsere Aquarienfische aus unterschiedlichen Gewässern stammen, wie z. B. südamerikanischen Schwarzwasserflüssen oder ostafrikanischen großen Seen. Und da die chemische Zusammensetzung dieser Gewässer sehr unterschiedlich ist, ist ein Grundwissen darüber für die erfolgreiche Fischhaltung wohl unbestritten wichtig. Aber muss ich mir deswegen gleich ein halbes Labor anschaffen?

Entscheidende Bedeutung für eine erfolgreiche Fischhaltung hat aber in erster Linie nur der pH-Wert des Wassers, also die Frage, ist das Wasser, in dem die Fische leben, eher sauer oder eher alkalisch. Die meisten Leitungswässer in Deutschland kommen mit einem pH-Wert über 7, also im alkalischen Bereich, aus der Leitung. Dies wird von den Wasserversorgern teils bewusst so eingestellt, damit das Wasser keinen Schaden an den Kupferleitungen anrichten kann. Weiterhin muss man wissen, dass die Härte des Wassers einen direkten Einfluss auf den pH-Wert hat, hier insbesondere die sog. Karbonathärte (KH), deren Höhe dafür mitverantwortlich ist, ob der pH-Wert sich in sauren oder alkalischen Bereichen bewegt. Einfache Regel: je niedriger die KH umso leichter kann der pH-Wert sinken, also in den sauren Bereich übergehen. Die Härte des Wassers selbst ist für eine Haltung einer großen Zahl von Aquarienfischen nicht von so großer Bedeutung, wie oft mit erhobenem Zeigefinger "gelehrt" wird. Bei der Nachzucht verschiedener Fischarten kann sie aber von Bedetung sein.

Das war es eigentlich auch schon, was der Einsteiger dazu wissen muss.

Nun kommen wieder die Foren ins Spiel, die auf die Frage: "Was kann ich mein Becken setzen", sofort mit der Gegenfrage nach den Wasserwerten kontern, und dem Hinweis aufwarten: "Kauf dir keine Ratestäbchen, sondern nimm Tröpfchentests, die sind viel genauer." Das stimmt zwar, aber muss das sein? Eine Anfrage beim örtlichen Wasserversorger oder ein Blick auf dessen Internetseite bringt hier meistens schon Aufschluss. Und mal ehrlich, ist es wirklich wichtig zu wissen, ob der pH-Wert nun 7,4 oder 7,6 beträgt? Wirklich wichtig ist doch nur die Frage, ob das Wasser sauer oder alkalisch ist, der pH-Wert also über 7 oder unter 7 liegt und ob und wie er da bleibt, wo ich ihn hin haben will. Einen Fisch aus einem südamerikanischen Gewässer interessiert es nicht wirklich, ob der pH seines Elements nun 6,0 oder 6,5 beträgt. Gut, bei der Zucht einiger Arten mag das entscheidend sein, aber wohl kaum für die einfache Haltung der Tiere. Ebenso ist es bei Fischen aus alkalischen Gewässern wie den großen ostafrikanischen Grabenseen, deren pH-Wert auch mal bei 9 liegen kann. Auch bei diesen Tieren ist es lediglich wichtig, den pH über 7 zu halten, ob 7,4 oder 7,9 spielt hier keinerlei Rolle. Die magische Grenze ist der Wert 7, bei dem sich möglicherweise chemische Abläufe zwischen Wasser und Tier ändern. Da ich aber, wie ich immer wieder betone, weder Biologe noch Chemiker bin, halte ich mich aus dieser Thematik gern insoweit raus, als sie meine praktischen Erfahrungen als Aquarianer übersteigen. Diese Erfahrungen haben mir aber zumindest gezeigt, dass z. B. Fische aus Gewässern mit pH-Werten unter 7 auch in Aquarienwasser mit pH-Werten über 7 gut zurecht kommen. Umgekehrt stimmt das allerdings nicht. Fische aus Gewässern, deren pH ständig oberhalb von 7 angesiedelt ist (Malawisee, Tanganjikasee, Victoriasee) dürften in saurem Wasser nicht lange überleben oder zeigen zumindest ein artuntypisches Verhalten. Ob sie es vielleicht doch überleben würden, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, denn ich habe es noch nicht ausprobiert und werde es auch nicht ausprobieren.

Ein ähnliches Bild ergibt sich immer wieder bei den Schadstoffen, wie Phosphat, Nitrit und Nitrat. Sicherlich ist es richtig, dass Nitrit hochgradig fischgiftig ist, wenn es in ausreichender Konzentration im Becken vorkommt, aber seien wir doch mal ehrlich, in welchem Aquarium ist denn der Nitritwert tatsächlich "0", wie immer wieder propagiert? Wirklich bedenklich werden erst Werte ab 0,5 mg/l und es besteht Handlungsbedarf, besonders wenn sich das Aquarium in der Einlaufphase befindet. Aber muss es denn auch hier schon wieder der viel gepriesene Tröpfchentest sein, der auf 0,1 mg/l genau auflöst? Was will ich denn wissen? Ich will wissen, ob Nitrit in bedenklicher Menge vorhanden ist, und genau das zeigen mir die Teststreifen durch eine Verfärbung des entsprechenden Testabschnitts an. Bleibt er weiß, ist es gut.

Nitriat und Phosphat kann man sich m. E. völlig schenken, wenn man sein Becken ausreichend bepflanzt und beim Wasserwechsel nicht spart, denn Sie wissen ja: "Der beste Filter ist der Eimer des Aquarianers".

Was allerdings lebenswichtig sein kann, ist zu wissen, ob sich in meinem Leitungswasser freies Kupfer befindet, denn Kupfer kann für viele Fische tötlich sein, für Wirbellose ist es mit Sicherheit tötlich. Hier lohnt aber die Anschaffung eines eigenen Tests schon gar nicht, denn eine kleine Menge Wasser kann ich jederzeit bei einem Zoohändler testen lassen und dann weiß ich Bescheid. Wenn Sie allerdings Wirbellose halten, dann können sie sich auch diesen Gang sparen, denn die handelsüblichen Kupfertests lösen nicht hoch genug auf, um bereits tötliche Kupfermengen anzuzeigen. Auf der sicheren Seite sind Sie in diesem Fall nur mit der Installation eines Leitungswasserfilters. Dies aber nur am Rande.

Was ist also das Fazit?

Ein junger Aquarianer muss nicht zum Chemielaboranten mutieren, um seine ersten positiven Erfahrungen in Sachen Aquaristik zu machen. Ein wenig Grundwissen über Säurekapazität und Härte und natürlich über die Bedingungen am Herkunftsort der Fische bringen den Hobby-Einsteiger ein ganzes Stück voran, ohne aquaristisches Equipment im Wert eines Kleinwagens kaufen zu müssen. Und der Weg zum nächsten Aquarienverein ist auch nicht so weit, und man kommt mit nützlichen Informationen zurück.

Lesen sie bitte zu diesem Thema auch die nicht nur ernst gemeinten Ausführungen von Herrn Lutz Döring im Aquanet.

Brauchbare Informationen zu den einzelnen Wasserwerten finden Sie im Lexikon von Aquanet und auf der Internetseite von Olaf Deters.

Wenn Sie an ausführlichen Betrachtungen dieses Themas mit wissenschafltichem Hintergrund interessiert sind, dann besuchen die Seite von Dennis Furmanek.

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