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Einige Gedanken zum Thema "Wasserwechsel"
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Wasserwechsel - ein immer wieder gern und heftig diskutiertes Thema, insbesondere in den Internetforen, in denen täglich viele Male die Frage nach dem ob und wie oft und wieviel gestellt wird. Und insbesondere dort haben sich in den letzten Jahren Standardempfehlungen etabliert, die in meinen Augen mehr als diskussionswürdig sind. Lassen Sie mich vorerst einige Worte generell zu diesem Thema verlieren. Wer ein Aquarium mit Fischen oder anderen Tieren betreibt, der weiß, dass unsere Pfleglinge regelmäßig gefüttert werden müssen und dass dieses Futter irgendwann auch wieder aus dem Fisch heraus muss. Bekannte Stoffwechselendprodukte, die wir in unseren Aquarien auch mit den handelsüblichen Mitteln nachweisen können, sind Phosphat und Ammonium/Ammoniak. Phosphat verbleibt in dieser Form im Aquarium und reichert sich dort an, Ammonium/Ammoniak werden durch Bakterien der Gattungen Nitrosomonas und Nitrospira (früher wurde diese Funktion der Gattung Nitrobacter zugeschrieben) über die Zwischenstufe Nitrit zu Nitrat aufoxidiert. Wie dieses funktioniert, ist an verschiedenen anderen Stellen im Internet ausführlich erläutert. Nitrat reichert sich ebenfalls im Aquarium an. Eine weitere Verarbeitung des Nitrats zu Sauerstoff und Stickstoff ist unseren Aquarien ist wohl unter normalen Aquariumdingungen kaum bis nicht möglich. Wir messen also in unserem Aquarium einen stetigen Anstieg von Phosphat und Nitrat; was wir alles nicht messen können und was trotzdem noch so alles im Aquarium "rumschwimmt", vermag ich kaum zu mutmaßen, und es bedarf schon eines Chemikers mit einer speziellen Ausrüstung, um die Wasserqualität in ihrer Gänze zu erfassen. Fakt ist, es reichern sich Stoffwechselendprodukte im Aquarium an und müssen dort über kurz oder lang raus. Wir Menschen können das Fenster öffnen, wenn die Luft im Büro schlecht wird, aber unsere Aquarientiere sind 24 Stunden lang an das sie umgebende Wasser gebunden. Ob diese Stoffwechselendprodukte nun in irgendeiner Weise für Tiere und Pflanzen schädlich sind oder nicht, wird auch vielerorts diskutiert. Eine endgültige Aussage hierzu ist mir aber nicht bekannt. Nun mag der eine oder andere sagen, es gäbe ja einen Filter, aber ist das wirklich schon die Lösung? Was kann ein solcher Filter leisten? Ein Filter, egal welcher Bauart, entzieht dem Wasser in erster Linie mechanisch Schwebstoffe und aufgewirbelten Mulm. Außerdem soll in einem Filter der Nitrifikationsprozess ablaufen. Da ich weder Biologe noch Chemiker bin, kann ich dieses nicht beweisen und nachprüfen, ich halte aber die meisten unserer handelsüblichen Filter für nicht besonders gut geeignet für diese Aufgabe, denn die Fließgeschwindigkeit in diesen Filtern ist recht hoch. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein einem Rieselfilter, der Altaquarianern und auch einigen interessierten modernen Aquarianern bekannt sein dürfte und in einem schnell laufenden Motor-Außenfilter gleichermaßen ausreichende Nitrifikationsprozesse ablaufen sollen. Nach Angaben eines mir bekannten Biologen hängt die Menge des aufoxidierten Ammoniums/Nitrits von der Anströmgeschwindigkeit ab, und jeder Aquarianer weiß, dass diese in den beiden genannten Filtertypen höchst unterschiedlich ist. Es wäre nahezu unlogisch anzunehmen, dass also beide Filtertypen gleichermaßen effektiv sind. Einer von beiden dürfte hier schwächeln, und mein Gefühl sagt mir, dass es wohl nicht der Rieselfilter ist. Zur Entfernung von Nitrat und Phosphat kommt es jedoch in solchen Filtern nach meiner Ansicht schon gar nicht, wie es manche Hersteller von verschiedenen Substraten versprechen. Hierfür sind Spezialfilter mit Substraten erforderlich, die diese Stoffe entweder binden oder mittels chemischer oder biologischer Reaktionen weiter umwandeln.. Hier kommt nun, und das sollte jedem einleuchten, der Wasserwechsel ins Spiel. Es gibt aber auch so genannte Altwasser-Aquarianer, die meinen, dass Wasserwechsel überflüssig sei und ihre Becken mit dem "Altwasser" wunderbar funktionieren. Das mag in dem einen oder anderen Fall absolut richtig sein, eine generelle Regel würde ich daraus aber nicht ableiten. Selbstverständlich gibt es namhafte Aquarianer, denen es gelingt, ihre Becken so einzurichten, zu besetzen und zu bepflanzen, dass z. B. Nitrat und Phosphat ständig im Gleichgewicht sind oder gar gegen Null tendieren und vor solchen Experten ziehe ich jederzeit meinen Hut, aber für den durchschnittlichen Aquarianer, der sich nicht tiefgründig mit der Chemie des Wassers beschäftigen möchte, ist dies sicherlich nicht die geeignete Empfehlung, denn wie oben bereits erwähnt, gibt es mit Sicherheit Faktoren, die wir mit unseren Mitteln nicht erfassen können. Ich halte diese Altwasser-Empfehlungen im Großteil der Fälle (nicht die Empfehlungen von anerkannten Fachautoren !) für ein Alibi gegen Faulheit, denn hinterfragt man bei diesen Aquarianern mal ihre Methoden, dann merkt man ganz schnell, was wirklich dahinter steckt oder besser nicht dahinter steckt. Also doch Wasserwechsel - so würde ich es jedem Normal-Aquarianer ans Herz legen. Und genau um den geht es mir; um den Aquarianer, der in Internetforen nachfragt oder der sich auf unserer Börse an uns Vereinskameraden wendet und sich unsere endlosen "Vorträge" anhört, eben weil sein Aquarium nicht das erhoffte Schmuckstück ist und diverse Probleme bereitet, wie schlechten Pflanzenwuchs, ständig erkrankende Fische oder wuchernde Algen aller Couleur. Für denjenigen, der sich aber weitergehend mit dem Altwasserthema beschäftigen möchte und der auch an Hintergrundwissen über die Abläufe in einem solchen Aquarium interessiert ist, dem empfehle ich den Beitrag von Gerd Kassebeer auf www.deters-ing.de sowie weitere von ihm bei Olaf Deters veröffentlichte Beiträge zu verwandten Themen. Hier finden Sie das Rüstzeug, um zu einem wirklichen und erfolgreichen Altwasseraquarianer zu werden.
Wenn wir uns nun entscheiden haben, doch lieber kein Altwasser-Becken zu betreiben, sondern lieber Wasser zu wechseln, kommt aber wieder die Frage ins Spiel, wie oft und wieviel. Die Standardantwort in den Internetforen ist immer wieder: wöchentlich 30 - 40 %. Warum aber nicht mehr? Begründet wird dies immer wieder damit, dass ein größerer Wasserwechsel zuviel Stress für die Tiere bedeuten würde. Gut, das hört sich erstmal plausibel an. Aber ist dem wirklich so? Machen wir uns das an einem kleinen und einfachen Rechenexempel deutlich. Um es etwas einfacher zu haben, ersetze ich mal das Wort "Stoffwechselendprodukte" durch das Wörtchen "Dreck", um damit einfach alles zu erfassen, was wir messen und nicht messen können. - Wir befüllen am 1. Tag ein Aquarium komplett mit frischem unbelastetem Wasser und setzen Tiere ein. Diese Tiere bringen in der ersten Woche 100 mg Dreck in das Aquarium. - Nach dieser einen Woche wechseln wir nun 50% Wasser (ich nehme absichtlich 50%, da es sich mit 30 - 40 schwieriger rechnen lässt). Das heißt, wir entfernen 50 mg Dreck aus unserem Aquarium und 50 mg Dreck bleiben drin (vorausgesetzt, es handelt sich um gelösten Dreck und nicht solchen, der am Boden liegen bleibt.). - In der folgenden Woche bringen die Tiere wieder 100 mg Dreck in unser Aquarium. Es sind nun also schon 150 mg drin. - Wir machen wieder unseren 50%igen Wasserwechsel und entfernen 75 mg Dreck; 75 mg bleiben drin. - Wiederum nach einer weiteren Woche haben wir 175 mg Dreck im Aquarium. Ich glaube, an dieser Stelle kann ich abbrechen, denn jeder sollte erkannt haben, was ich damit sagen will. Und was ist das Fazit? Dass der optimale Wasserwechsel zu 100% stattfindet ! Hierfür müssten natürlich die Tiere jedesmal aus dem Aquarium herausgenommen werden, was natürlich auch nicht Sinn der Sache ist. Ein Wasserwechsel kann aber so durchgeführt werden, dass die Tiere in dem Restwasser eben grad noch schwimmen können. Selbst wenn die Fische für wenige Minuten in eine Schräglage geraten, stellt dies kein Problem dar. In den vielen Jahren meiner Aquarianer-Laufbahn führe ich meine Wasserwechsel genauso durch, insbesondere in meinen stark besetzten Aufzucht-Aquarien für Malawisee-Cichliden und konnte bisher nicht feststellen, dass die Tiere hierdurch einen Schaden nehmen. Im Gegenteil wird mir durch die Händler, die von mir mit Fischen beliefert werden, immer wieder bestätigt, dass sie so gut wie keine Ausfälle bei den von mir erhaltenen Tieren haben. Ein weiteres Beispiel hierfür sind die großen asiatischen Diskus-Zuchtfarmen, die mindestens zweimal täglich fast komplett das Wasser in den Becken wechseln, ohne dass die Tiere einen Schaden nehmen. Voraussetzung für derart großzügige Wasserwechsel ist es natürlich, dass er vollständig mit Wasser durchgeführt wird, das in der chemischen Zusammensetzung dem Wasser im Aquarium entspricht. Aber das dürfte wohl selbstverständlich sein. Benutzt man für den Wasserwechsel kein aufbereitetes Wasser, sondern Leitungswasser, weil man Tiere pflegt, die zu dessen Wasserwerten passen, dann ist der Idealfall natürlich ein Durchflussbecken, das angeschlossen an die Wasser- und Abwasserleitung permanent mit Frischwasser versorgt werden kann. Bei einer gut dosierten Durchflussmenge von 10 - 15 % des Beckeninhalts täglich kommt man auf etwa dieselbe Wechselmenge wie bei einem wöchentliche Wechsel von 95 %. Das folgende Becken meines Vereinskameraden Gerald Tuchen wird auf diese Weise betrieben:
Um Ihnen einmal zu verdeutlichen, wie die Wasserverhältnisse in Aquarien unserer Hobby-Aquarianer aussehen, habe ich am Info-Stand unserer Börse, an dem regelmäßig Wassertests durchgeführt werden, eine kleine Statistik bezüglich des Nitrat- und Phosphatgehalts führen lassen. Wenn sie sich die Werte ansehen, dann bedenken sie bitte, dass der gesetzlich vorgeschriebene Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser bei 50 mg/l beträgt und man bei Phosphat im Aquarium einen Grenzwert von 0,5 mg/l empfiehlt. Was Sie aus den Zahlen schlussfolgern, überlasse ich Ihnen. Die Werte sind mg/l angegeben.
Wie sie sehen können kommt es bei den Aquarien der Durchschnitt-Aquarianer nicht zu der von Gerd Kassebeer in seiner Versuchsreihe festgestellten Stagnation, sondern die Stoffwechselendprodukte reichern sich stärker an. Nicht selten sind wir sehr erschrocken über die Verhältnisse, die in den Aquarien der Börsenbesucher herrschen. Auf einer Börse standen die Fläschchen mit den Tests für Nitrit, Phosphat und Nitrat eines Besuchers nebeneinander. Kein Künstler hätte wohl einen schöneren Farbkontrast zaubern können. Eine Börsenbesucherin, ihres Zeichens Chemielehrerin, fragte mich, ob wir diese Messbehälter extra als Muster angemischt hätten. Als ich ihr sagte, dies sei ein realer Test, den wir vor wenigen Minuten bei einem Börsenbesucher durchführten, reagierte sie völlig fassungslos. Es wird also wohl deutlich, dass die von Gerd Kassebeer erzeugten beneidenswerten Bedingungen nicht der Regelfall sind. Oft wird mir in Gesprächen oder Foren bei diesem Thema entgegen gehalten, dass man bei einem derart großen, wie von mir empfohlenen Wasserwechsel doch die "nützlichen biologischen Stoffe" aus dem Becken entferne. "Welche denn?" frage ich dann immer. Sämtliche im Aquarium für die Schadstoffreduzierung verantwortlichen Bakterienstämme leben zum größten Teil nicht im freien Wasser, sondern substratgebunden. Was also entferne ich denn dann? Möglicherweise doch wohl die Keime, also die Krankheitserreger, die sich im Aquarium massenhaft vermehren. Dr. Andreas Spreinat schreibt hierzu in seinem Buch "Malawisee-Buntbarsche Teil1", erschienen 2002, auf Seite 41: "Nur ca. 10 Bakterienkeime pro Milliliter waren wenige Meter vom Ufer entfernt enthalten, und ca. 170 Keime/ml konnten im von der Brandung aufgewühlten Uferwasser ermittelt werden. Zum Vergleich: 100 Keime/ml sind in Deutschland im Trinkwasser (in Flaschen lt. Anlage 1 Teil I der aktuellen TVO - Anm. von mir) .... erlaubt; ein solcher Keimgehalt gilt als hygienisch einwandfrei bei lebenslangem (menschlichen) Genuss. ... Im Aquarium finden sich dagegen wesentlich höhere Keimzahlen. 5.000 bis 10.000 Bakterien pro Milliliter sind keine Seltenheit, sondern eher die Regel." Was also soll an einem großzügigen Waserwechsel mit Trinkwasser für die Fische oder Wirbellosen schlecht sein? Natürlich kann man die Keimzahlen auch mit Hilfe eines UV-Filters drastisch reduzieren, ob das aber auch wirtschaftlicher ist, lasse ich dahin gestellt. Vielleicht gibt es im Aquarium aber doch noch andere Stoffe, die im Leitungswasser nicht enthalten sind und die den Bewohnern nützen. Ob dem so ist und was es ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Wem dabei wohler ist, der kann gern einen Wasseraufbereiter nach dem Wasserwechsel zusetzen, aber auch hierbei kann ich Ihnen nicht sagen, was sie da ins Becken kippen, denn es steht nicht auf der Flasche. Sagen kann ich aber eins: ich habe in den vielen Jahren, in denen ich große häufige Wasserwechsel ohne Wasseraufbereiter durchführe, noch keinerlei Verluste erlitten, sondern habe stets Fische und Wirbellose mit guter Gesundheit, ein Grund dafür, dass man bei mir hier und in den Foren kaum etwas zu Krankheiten lesen wird. Eben weil ich kaum Erfahrungen damit habe. Ob Sie, lieber Besucher unserer Seite, sich nun meine Ansicht zu diesem Thema oder lieber die Ansicht vieler tausender Forenschreiber zueigen machen, oder ob Sie gar versuchen wollen, ein echtes Altwasserbecken nach den Erfahrungen von Gerd Kassebeer zu betreiben, müssen Sie selbst entscheiden. Eins kann ich Ihnen jedoch mit Sicherheit sagen: sparsam ist meine Methode nicht, aber zum Wohl der Tiere ist es mir das Geld wert, und in meiner stark besetzten Zuchtanlage kann ich ohnehin die beschriebenen Altwasserbedingungen nicht herstellen. Und überlegen Sie mal, wieviel Geld Sie ausgeben würden, wenn Sie zweimal im Monat ins Fußballstadion gehen würden. Und denken Sie an meinen Leitspruch: Aquarien sind wie Frauen - jedes möchte aufmerksam und individuell behandelt werden ! |
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