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Einige Gedanken zum Thema "Aquarienpflanzen"
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Ich habe sehr lange überlegt, ob ich zu diesem Thema überhaupt etwas schreiben soll, denn schließlich traut man einem Malawi-Aquarianer nicht grad überragende Fähigkeiten in der Pflanzenpflege zu. Aber ich habe ja nicht immer nur Malawi-Cichliden gepflegt, sondern vorher viele Jahre Aquarien mit Pflanzen mein eigen genannt. Und auch heute sind schließlich nicht alle unsere Becken unbepflanzt, insbesondere mein Sohn hat bekanntlich eine tiefe Liebe zu den Cryptocorynen entwickelt. Außerdem habe ich mich über viele Jahre intensiv mit Pflanzenpflege und Anzucht beschäftigt, da ich in den 80ern ein 4jähriges Fachschulstudium absolviert habe, in dem Botanik und Gartenbau ein Hautfach war. Auch meine Staatsexamensarbeit beschäftigte sich mit diesem Thema, speziell mit der Jungpflanzenanzucht. Es ging da zwar hauptsächlich um Gemüsepflanzen, aber viele Grundsätze in der Botanik sind überall gleich, ob zu Land oder zu Wasser. Nun erwarten Sie bitte keinen ausführlichen Vortrag über Wasserpflanzenpflege und die Gestaltung von Pflanzenaquarien. Wer das möchte, dem empfehle ich das Buch von Christel Kasselmann „Pflanzenaquarien gestalten“, und noch besser: wer die Gelegenheit hat, sollte ihren gleichnamigen Vortrag besuchen, der in jeder Hinsicht ein Augen- und Ohrenschmaus ist. Ich habe diesen Vortrag bereits zweimal erlebt, und denken Sie nicht, das zweite Mal sei langweilig gewesen. Im Gegenteil habe ich wieder neue Aspekte erfahren, die mir entweder beim ersten Mal entgangen sind oder Frau Kasselmann hatte den Vortrag einfach erweitert. Ich möchte an dieser Stelle einfach mal meine Gedanken zu diesem Thema schweifen lassen, denn immer wieder werde ich in den Internetforen und am Info-Stand unserer Börse mit grundlegenden Problemen der Pflanzenpflege konfrontiert, die sich alle mit Hilfe des richtigen Verständnisses lösen lassen. Die häufigste Aussage, die ich höre oder lese ist: „Meine Pflanzen wachsen nicht gut/kümmern/werde gelb/werfen die Blätter ab. Was kann ich tun?“ Standardantworten in Foren oder auch im Zoohandel sind dann immer wieder: „Du musst mehr düngen“ oder „Du musst dir eine CO2-Anlage kaufen“. Dies ist aber oft nur die halbe Wahrheit oder vielleicht gar keine. Ehe man zu derartigen, sicherlich umsatzfördernden Ratschlägen greift, ist erstmal Ursachenforschung angesagt.Oft liegt das Problem auf der Hand: es fehlt Licht. Etwa 75 % unserer Aquarienpflanzen sind Sonnenpflanzen, insbesondere die rotlaubigen Formen, und für sie sind unsere Standard-Beleuchtungen nur Funzeln. Ein naturnahes Wachstum ist damit nicht zu erreichen, auch nicht, wenn ich noch so viel CO2 oder Dünger gebe. Zum Thema Sonnenpflanzen an sich habe ich mich bereits auf meiner Seite „Mythos Mittagspause“ ausgelassen und möchte dies hier nicht alles wiederholen. Gesagt sei nur, dass wenn sie solche Pflanzen pflegen wollen und auch an ihnen Freude haben wollen, dann müssen sie bei der Investition in Leuchtmittel etwas tiefer in die Tasche greifen. Sie können auch davon ausgehen, dass Sie innerhalb des Angebots großer Wasserpflanzengärtnereien, die auch Leuchtmittel und CO2-Anlagen anbieten, fast nur Sonnenpflanzen finden werden, denn schließlich will man seinen Rest ja auch verkaufen. So typische Schattenpflanzen, die auch noch bei Taschenlampenlicht gedeihen, wie es die früher sehr verbreitete Cryptocoryne affinis ist, werden Sie im Handel kaum noch erhalten. Selbst Frau Kasselmann war erstaunt, diese Pflanzen in unseren Becken zu sehen, denn sie glaubte nicht mehr so richtig, dass es sie in den Aquarien überhaupt noch gibt.
Erhöhen sie also das Lichtangebot nicht, sondern schleißen einfach nur eine CO2-Anlage an, dann kann es passieren, dass die Pflanzen damit nichts anfangen können. Denken sie mal an Ihre Schulzeit zurück und erinnern sich an das Liebigsche Minimumprinzip! Grob gesagt sagt dieses aus, dass eine Pflanze nur so gut wächst, wie es ihr der am geringsten vorhandene Wachstumsfaktor erlaubt. Beim Dünger ist dieses Problem ähnlich. Hinzu kommt noch, dass nicht verbrauchter Dünger sich anreichert, noch dazu, da die meisten Aquarianer viel zu wenig Wasser wechseln. Somit steigt die Düngerkonzentration immer mehr an, was dann zu einer klassischen Überdüngung führen kann. Wie sie wissen, liegen die meisten Pflanzennährstoffe in Mineralien vor. Wird nun die Mineralkonzentration außerhalb der Pflanze höher als in der Pflanze, diffundiert das Wasser in die falsche Richtung mit der Folge, dass Ihnen Ihre Pflanzen mitten im Wasser vertrocknen. Lassen Se sich auch bitte nicht einreden, dass das Licht schon ausreichen würde, Sie ja nur ein bisschen länger beleuchten müssten. Das funktioniert nicht! Die Stärke der Photosynthese hängt in erster Linie von der Lichtstärke ab, nicht von der Beleuchtungsdauer. Wenn eine Pflanze an 8 Stunden bei 100.000 Lux angepasst ist, dann können Sie sie nicht 16 Stunden bei 50.000 Lux halten. Das Ergebnis wäre nicht das gleiche. Die Pflanze würde ihnen das höchstens mit einem Vergeilen danken. Versuchen Sie es doch einmal im Garten und pflanzen im Mai eine Tomate in die volle Sonne und eine unter einen Baum. Im September unterhalten wir uns dann noch mal über das Ergebnis. Ich habe während der Experimentierphase zu meiner Staatsexamensarbeit verschiedene Versuche mit Jungpflanzen gemacht, mit verschiedenen Lichtstärken und verschiedenen Beleuchtungszeiten. Sie können mir glauben, dass ich weiß wovon ich rede. Ein besonderes Beispiel für eine sehr sonnenhungrige Pflanze ist Echinodorus uruguayensis. Es gibt aber auch Pflanzen, die in ihren Lichtansprüchen sehr genügsam und anpassungsfähig sind, d. h. sie wachsen sowohl bei geringem als auch bei starkem Licht recht zufriedenstellend. Beispiele hierfür sind Egeria densa und Aponogeton rigidifolius. Oft genügt aber schon eine kleine Investition in 2 handelsübliche Reflektoren, um ein erstaunliches Ergebnis zu erhalten. Ein weitere Aspekt, den viele nicht sehen, ist die Tatsache, dass eine Vielzahl unserer Aquarienpflanzen aus weichen und sauren Gewässern stammen, unser Leitungswasser aber häufig hart und zumindest leicht alkalisch ist. Bei den Fischen sehen es mittlerweile viele Aquarianer ein, dass sie nicht bei falschen Wasserwerten schwimmen sollten, aber bei Pflanze will das niemand wahr haben. „Früher ging das doch auch“. Klar, als es noch keine Kupferleitungen, sondern Blei-, Kunststoff- oder verzinkte Wasserleitungen gab, wurde der pH-Wert der Leitungswässer nicht künstlich angehoben. Bei den Fischen weiß auch jeder, dass nicht jeder Fisch mit jedem Fisch vergesellschaftet werden kann, dass es so was aber auch bei Pflanzen gibt, will niemand einsehen. Anstatt sich vorher ein Wenig in der Literatur zu informieren, welche Pflanzen an den natürlichen Standorten in Nachbarschaft wachsen, wird wahllos alles gekauft, was der Zoohandel bietet. Die Jammerei ist dann immer groß. Meine Empfehlung geht immer dahin, dass man es am besten mit 15 (mehr oder weniger entsprechend der Beckengröße) versucht und diejenigen Arten behält, die sich durchsetzen. Für diese sind dann die Lebensbedingungen mit ziemlicher Sicherheit gut bis optimal. Dabei wird vielleicht nicht die Art sein, die man nun gerade haben wollte und die man besonders schön fand, aber hier sollte der persönliche Egoismus zurückstehen. Anders ist das natürlich, wenn finanzielle Aspekte keine Rolle spielen und man mit allerlei technischen Spielereien so lange rumexperimentieren kann, bis man die optimalen Bedingungen für seine Lieblingspflanzen hergestellt hat. In der Mehrzahl der Fälle wird aber wohl dieser Weg nicht beschritten werden, da aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation immer mehr minimalistische Aquaristik betrieben wird und schon die Empfehlung, doch wöchentlich nahezu 100 % Wasser zu wechseln, bei vielen Aquarianern die Grenze der finanziellen Belastbarkeit erreicht.
Oft sieht man auch, dass ein Pflänzchen hiervon gepflanzt wird, daneben ein anderes, und wieder daneben ein drittes usw. An den natürlichen Standorten ist es aber oft so, dass nur wenige Arten gemeinsam miteinander wachsen oder sogar nur eine einzige Art über viele Quadratmeter wuchert. Solche Pflanzen werden nie als einziges einsames Pflänzchen im Aquarium gedeihen. Und mit der Sparsamkeit beim Pflanzenkauf ist es eigentlich dasselbe Problem. Da werden für ein Becken grad mal 5 Pflänzchen gekauft, weil sie ja so teuer sind und der Superfilter bereits den gesamten Etat verschlungen hat, in der Hoffnung, sie werden sich schon vermehren, und dann kommt das böse Erwachen, dass die Pflanzen eher eingehen als sich zu vervielfachen. Richtiger wäre es gewesen, eine günstigere Filtermarke zu erwerben und dafür bei den Pflanzen stärker zuzugreifen, um ihnen eine gute Wachstumsgrundlage in Form einer gewissen Biomasse zu schaffen. Viele Aquarianer vergessen auch, dass die meisten Aquarienpflanzen in den Gärtnereien emers, also über Wasser bei hoher Luftfeuchtigkeit gezogen werden. Dies ist möglich, weil die meisten unserer Aquarienpflanzen keine echten Wasserpflanzen sondern Sumpfpflanzen sind, die am Heimatstandort einen Teil des Jahres ohne Wasser oder zumindest mit sehr niedrigem Wasserstand verbringen. Diese Anzuchtmethode ist einfacher und kostengünstiger, also überhaupt nicht verwerflich, wie viele meinen. Bringt man nun die Pflanzen ins Aquarium, muss sie eine Umstellungsphase durchmachen, d. h. sie muss das für ein Leben unter Wasser ungeeignete Laub abwerfen und durch das „richtige“ Laub ersetzen. Zwar sieht es für eine Zeit so aus als würde die pflanze eingehen, dem ist aber nicht so. Lassen Sie ihr Zeit. Am natürlichen Standort geht dieser Prozess langsam vonstatten, da der Wasserstand nur langsam sinkt oder ansteigt, im Aquarium aber geht es von jetzt auf gleich, damit muss die Pflanze erstmal fertig werden. Wenn es um Stängelpflanzen geht, dann hört man auch oft, dass diese die unteren Blätter abwerfen und dann aussehen wie eine Palme. Dieses ist ein reines Lichtproblem. Die Pflanzen werfen die Blätter ab, die aufgrund zu geringer Beleuchtung nicht mehr an der Photosynthese teilnehmen können und sind überflüssig. Die Pflanze würde sie lediglich „durchfüttern“, aber so was gibt es in der Natur nicht. Wenn man sich Pflanzen für sein Aquarium aussucht, dann sollten man auch mal einen Blick in die Literatur dahingehend werfen, auf welchem Boden die Pflanzen am besten wachsen. Wir haben z. B. in unseren Becken die Erfahrung gemacht, dass Cryptocorynen in Perlkies besser wachsen als in Sand, obwohl wir eigentlich eher Verfechter des Sandbodens sind. Im Zusammenhang mit den Aquarienpflanzen wird mir auch oft die Frage nach Algen gestellt. Entweder überwuchern die Algen die Deko oder die Pflanzen oder auch beides. Meine erste Antwort ist dann immer: „Räumen sie in Ihrem Kopf auf! Wenn Sie anfangen, Algen als nützlichen Bestandteil des Ökosystems Aquarium zu betrachten und das Lebewesen Alge als solches beginnen schön zu finden, dann ist Ihr Problem schon viel kleiner oder ganz weg.“ Manchmal ist es damit aber nicht getan, sondern das Problem ist ernster, weil die Aquarienpflanzen ernsthaft bedroht sind oder der optische Eindruck durch Algenmassen zerstört wird. Standardempfehlungen sind hier häufig irgendwelche Algizide oder Algen fressende Fische oder Garnelen. Von beiden Empfehlungen halte ich nichts. Wenn Algen tatsächlich zur Plage werden, dann ist es angesagt, zuerst die Ursachen hierfür zu ermitteln. Diese können verschiedenartig sein. Oft ist es ein Überschuss an Schadstoffen wie Phosphat und Nitrat, der zu vermehrtem Algenwachstum führt. Hiergegen hilft nur eine gewisse Disziplin beim Wasserwechsel. In einem gut bepflanzten Aquarium, in denen die Wachstumsbedingungen stimmen, sollten diese Schadstoffe zwar gegen Null tendieren, weil die Pflanzen genügend dieser Stoffe als Nahrung aufnehmen, aber in den meisten Becken in unseren Wohnzimmern ist dies nicht der Fall. Oft genug sind die Wachstumsbedingungen für die höheren pflanzen schlecht, so dass die Algen im Vorteil sind und schließlich zum vernichtenden Schlag ausholen. Algen bekämpfen heißt aber immer, den höheren Pflanzen ein besseres Wachstum zu ermöglichen, damit diese eine ernsthafte Konkurrenz für die Algen darstellen. Aber auch die o. g. Überdüngung kann den Algen um Vorteil gereichen.
Gern genommene Empfehlung gegen Algen ist die Mittagspause. Was ich davon halte, können Sie auf der entsprechenden Seite lesen. Des Aquarianers größter Feind aber ist wohl die Pinselalge. Die Fragen und die unbrauchbaren Empfehlungen hierzu häufen sich. Ein wirkliches Allheilmittel gegen diese Alge gibt es wohl nicht. Auch die beiden einzigen Pflanzen schonenden Algizide, die ich kenne, werden nicht wirklich mit ihr fertig. Es ist aber schon gut zu wissen, dass Pinselalgen oft ein Anzeiger für einen Eisenüberschuss sind. Der Eisen-Hysterie zum Trotz, die allenthalben immer wieder betrieben wird und den Umsatz der Hersteller und Händler von Eisendüngern steigert, sage ich an dieser Stelle mal, dass ein einfacher Volldünger durchaus ausreicht um den Pflanzen ein vernünftiges Wachstum zu ermöglichen, zumal sie aufgrund der o. g. Funzelei ohnehin nicht viel von dem angebotenen Eisen verbrauchen können. Aber nicht nur Eisen, sondern auch ein Überangebot an anderen Nährstoffen treibt unsere Pinselalgen voran. Um sie effektiv zu bekämpfen, müssen sie den Kampf um die Nährstoffe verlieren. Mir ist es gelungen, ein Becken völlig von Pinselalgen zu befreien, indem ich eine Hand voll Nixkraut (Najas guadalupensis) im Becken schwimmen lassen habe. Dieses Pflänzchen hat dann innerhalb der nächsten Monate das Aquarium derart zugewuchert, dass irgendwann die Algen aufgegeben haben. Auch nachdem ich das Nixkraut dann entfernt und nur noch ein kleines Bisschen davon im Becken gelassen habe, sind die Pinselalgen nicht wieder gekommen. Man muss hierfür aber ein bisschen Geduld haben und akzeptieren, dass das Becken in diesen Monaten nicht wirklich gut aussieht. Alles in allem sei gesagt, dass man die Pflanzen in unseren Aquarien nicht als schmückendes Beiwerk betrachten sollte, so wie man es mit Sammeltasse im Glasteil der Schrankwand tut, sondern ihnen als Lebewesen mit unterschiedlichsten Ansprüchen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit widmen sollte, wie den Aquarientieren, seien es nun Fische oder Wirbellose. |
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