Potamonautes lirrangensis

Trivialname: Blaue Malawiseekrabbe

von Monika Rademacher

www.panzerwelten.de und www.crusta10.de

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Rene Weinelt / www.krabben-portal.de

Potamonautes lirrangensis (Rathburn 1904),
Überfamilie Potamoidea
Familie Potamonautidae
Unterfamilie Potamonautinae

Malawiseekrabbe

Haltungstemperatur 22-26°C

----------------------------------------------------

Bei Potamonautes lirrangensis handelt es sich um eine vorwiegend aquatil lebende Krabbenart, deren Ursprungshabitat der Malawisee in Ostafrika (Kongo, Malawi, Mosambik, Tansania) ist. Oftmals wird diese Krabbe, die sich als spezialisierter Fortpflanzungstyp vermehrt, auch unter dem Trivialnamen „Blaue Malawiseekrabbe“ oder dem Synonym (revidierter Artname) Potamonautes orbitospinus (Cunnington 1907) verkauft.

Optisch bestechend ist die Kombination verschiedener Blautöne mit den kräftig rot gefärbten Gelenken und den filigranen weißen Linien. Tiere beiden Geschlechts weisen entweder rechts oder links eine Scherendominanz auf, dies bedeutet, eine Schere differiert in  Form und Größe deutlich von der anderen. Möchte man herausfinden, ob eine Krabbe männlich oder weiblich ist, so lohnt ein Blick auf die Unterseite des Tieres. Männchen haben eine schlanke spitze Bauchklappe, Weibchen eine runde und breite, die den kompletten Bauchraum bedeckt.

Die maximal zu erreichende Größe von Potamonautes lirrangensis liegt nach bisheriger Kenntnis bei etwa 10 bis 11 cm Carapaxdurchmesser, rechnet man nun noch die Beinspannweite dazu, so kann man von einer Gesamtgröße von wenigstens 25 bis 30 cm ausgehen. Tiere mit einem Jahr und zwei Monaten erlangen etwa eine Größe von 4 bis 5 cm, drei Monate alte Tiere einen Panzer-Querdurchmesser von 0,8 bis 1cm.

Generell gestaltet sich die Haltung dieser Krabben sowohl für die Tiere als auch für die Halter am problemlosesten, wenn man ihnen ein Artenbecken zur Verfügung stellt bzw. eine Vergesellschaftung darauf beschränkt, sie nur mit Schnecken oder gegebenenfalls. auch Zwerggarnelen zusammenzusetzen. Sofern es jedoch möglich scheint, die Haltungsansprüche sowohl von den jeweiligen Fischen, als auch jenen dieser Krabben miteinander zu vereinbaren, so ist auch eine Haltung in Gesellschaftsbecken möglich, Eine sicherlich reizvolle Besatzvariante für Aquarianer mit größeren Ostafrika-Becken, in denen die Krabben aufgrund ihrer attraktiven Färbung einen echten Blickfang darstellen können.

Ein Absenken des Wasserstandes ist hier jedoch unumgänglich, da den Krabben einige Aufsitz-Alternativen zur Verfügung stehen müssen, die ihnen einen Aufenthalt oberhalb der Wasseroberfläche ermöglichen. Ebenso gilt es auch einige andere Aspekte zu beachten, damit den Tieren ein Leben ermöglicht wird, das sich an ihren Bedürfnissen orientiert.

Verschiedene Halter berichteten in der Vergangenheit, dass diese Scherenträger sich gegenüber gesunden, lebenden Fischen weitestgehend friedlich verhielten, was jedoch gelegentliche Jagdversuche nicht gänzlich ausschließe. Kränkelnde und geschwächte Fische jedoch, ebenso wie Tiere, die sich in die Enge treiben lassen, werden erbeutet und verspeist. In Vergesellschaftung mit größeren Fischen wurde auch von Attacken der Fische gegen die Krabben berichtet, jedoch schienen diese die Krabben nicht wirklich zu beinträchtigen und wurden von den Fischen nach einer Weile auch wieder eingestellt. Ebenfalls wurde von Haltern berichtet, dass sich die Fütterung der Krabben in Gesellschaftsbecken teilweise schwierig gestalte, da oftmals die Fische deutlich schneller am Futter seien. Um einer Minder- oder Mangelernährung vorzubeugen, empfiehlt sich eine gezielte Fütterung der Krabben mittels Pinzette oder ähnlichem.

Bei der Überlegung, wieviele dieser interessanten Wesen in einem Aquarium leben können, darf das innerartliche  Aggressionspotential der Potamonautes lirrangensis nicht unberücksichtigt bleiben, so dass hier eine Einzelhaltung die empfehlenswerteste Entscheidung ist. Gegebenenfalls ist in ausreichend großen Becken (ab Kantenlänge 150 cm) eine Paarhaltung möglich, jedoch verbleibt auch unter großzügig bemessenem Platz immer ein Risiko, dass es zu Revierkämpfen und Kannibalismus kommen kann.

Auch die hohe Ausbruchsmotivation dieser Krabbenart sollte von zukünftigen Haltern keinesfalls unterschätzt werden, immer wieder wurde von Tieren berichtet, die aus unzureichend gesicherten Haltungsbecken entwichen sind und in Folge des daraus resultierenden Feuchtigkeitsmangels verstarben. Jede Öffnung, die den Tieren genug Raum bietet, sich durchzuquetschen, wird als willkommener  Ausgang genutzt. Um solche Sicherheitslücken zu erreichen, benötigen die Krabben keine speziellen Kletterhilfen; die Silikonnaht eines Aquariums reicht ihnen völlig aus, um sich dort einzuhaken und hochzuhangeln.

Als spezialisierter Fortpflanzungstyp produzieren die Weibchen vermutlich mindestens 200 Eier pro Gelege, die sie bis zum Schlupf unter ihrem Pleon (Bauchklappe) tragen. Die  Trächtigkeitsdauer umfasst mindestens sechs, vermutlich aber acht oder mehr Wochen. Nach dieser Zeit schlüpfen kleine Jungkrabben, die im Anschluss noch für mehrere Wochen unter dem Pleon des Weibchens verweilen. Auch wenn man nur ein einzelnes Weibchen dieser Krabbenart pflegt, kann sich überraschend Nachwuchs einstellen, da die weiblichen Tiere von den Männchen angeheftete Spermatophoren für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr nach Verpaarung speichern und mit diesen mehrere Eipakete befruchten können. Die  Eigröße beträgt anfangs etwa 1mm im Durchmesser und wächst später auf bis zu 5mm heran. Sind befruchtete Eier im frühen Trächtigkeitsstadium noch hell-orange, so wechselt ihre Farbe zunächst zu braun, dann zu schmutzig-grau, bis sie kurz vor dem Schlupf schwarz werden. (Neil Cumberlidge 1999).

Möchte man möglichst viele Jungtiere aus einem Wurf großziehen, so kann man kaum den aufwandsträchtigen Weg der Einzelaufzucht umgehen, da mit teils ausgeprägtem Kannibalismus unter Jungtieren gerechnet werden muss. Uns ist bisher ein Halter bekannt, der eine solche Aufzucht mittels Separieren in einzelnen 0,5 L-Flaschen (belüftet) realisierte und so auch einiges an Jungkrabben heranwachsen lassen konnte.

Malawiseekrabbe

Nicht selten erschrecken vor allem unerfahrene Krabbenhalter, wenn sie in das Haltungsbecken schauen und dort, am Boden sitzend, plötzlich ein regungsloses Tier entdecken. Oftmals handelt es sich hierbei jedoch gar nicht um den Pflegling, sondern vielmehr um seinen abgelegten Panzer (Exuvie), denn wie alle Dekapoden müssen sich auch Krabben häuten um wachsen zu können. Während die abgelegten Exuvien von Krebsen und Garnelen meist offensichtlich als solche zu erkennen sind, da sie aufgebrochen im Aquarium liegen, hinterlassen Krabben oft intakte Exuvie, an denen häufig nicht mal die Sollbruchstelle sichtbar ist. Tatsächlich sehen diese Exuvien, wenn auch etwas blasser als die Krabben selber, wie die intakten Tiere aus. Auch das Gewicht dieser leeren Panzer kann sehr irreführend wirken, wenn man sie aus dem Wasser holt, denn vollgesogen mit Flüssigkeit entspricht es ungefähr dem lebender Tiere.

Bei Potamonautes lirrangensis können die Häutungsintervalle zwei Tagen (Jungkrabben) bis hin zu zwei oder mehreren Jahren (Adulti) umfassen. Am besten kann man Exuvien von Kadavern unterscheiden, wenn man die Augen genauer betrachtet, während sie bei verstorbenen Krabben „gefüllt“, also wie immer aussehen, sind sie bei Exuvien nur noch farblose, glasklare Hüllen.

Startseite