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Hybridisierung
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| Wenn man über Malawisee-Cichliden spricht, dann kommt man an dem Thema Hybridisierung nicht vorbei, daher möchten auch wir dieses Thema einmal aufgreifen. Bitte erwarten Sie aber jetzt keinen hochwissenschaftlichen Vortrag, den finden Sie bestimmt an irgendeiner Stelle des WWW. Vielmehr möchten wir Ihnen in für jedermann verständlicher Weise erläutern, was es mit diesem Thema auf sich hat und wie unser Standpunkt dazu ist, um Sie ein wenig für diese Problematik zu sensibilisieren.
Was ist das nun? Ein Hybride ist ganz einfach gesagt das Produkt, also der Nachkomme, eines Elternpaares, bei dem die Eltern aus verschiedenen Arten oder sogar aus verschiedenen Gattungen stammen. Die Cichliden des Malawisees sollen sich bekanntlich aus einer sehr kleinen Anzahl von Arten, wenn nicht sogar aus einer einzigen Cichlidenart entwickelt haben, indem diese verschiedene Lebensräume besetzt und durch die dort herrschenden unterschiedlichen Lebensbedingungen sich zu eigenständigen Arten entwickelt haben. Da der Malawisee Entwicklungsgeschichtlich noch nicht so alt ist wie andere Gewässer, haben sich die Arten bisher noch nicht so weit voneinander getrennt, dass eine Kreuzung zwischen Ihnen möglich ist. Vielmahr ist es im Malawisee so, dass alle Cichlidenarten sich untereinander kreuzen können. Dies bedeutet für den Malawiaquarianer, dass es in seinem Becken immer wieder zu Kreuzungen kommen kann, insbesondere dann, wenn Arten oder Gattungen vergesellschaftet werden, die sehr eng miteinander verwandt sind. Die Hybridisierung darf aber nicht mit der Kreuzung von Farbmorphen verwechselt werden, wie sie beispielsweise bei der Zucht von Diskusbuntbarschen oder Guppies angewandt wird. Bei diesen Zuchtformen handelt es sich gemeinhin nicht um Hybriden, sondern um "gute" Arten, bei denen lediglich unterschiedliche Farbvarianten "gekreuzt" werden oder bestimmte Farben durch Auslese stabilisiert werden. Dies soll aber hier nicht das Thema sein. In einem Malawi-Aquarium, in denen unterschiedliche Arten und Gattungen vergesellschaftet werden, kommt es wie bereits erwähnt immer wieder zur Bildung von Hybriden, insbesondere dann, wenn Männchen oder Weibchen einer Art allein gehalten werden, also der entsprechende Geschlechtspartner fehlt. In einem solchen Fall kommt es dann oft zum "Übergriff" auf andere Geschlechtspartner. Diese Hybriden der ersten Generation, der sogenannten F1-Generation, sehen äußerlich alle gleich aus, tragen aber die Gene beider Arten in sich. In der F2-Generation, also den ersten Nachkommen dieser Hybriden, sollen dann gespaltene Nachkommen auftreten, die unterschiedliche Merkmale der ursprünglichen Arten aufweisen. Wir hatte zwar schon selbst des öfteren mit F1-Hybriden zu tun, eine F2-Generation haben wir aber selbst noch nicht erlebt, daher kann ich dazu keine Aussagen machen. Es gibt auch unterschiedliche Aussagen zu der Frage, ob sich F1-Hybriden überhaupt weiter vermehren können - ich weiß es nicht. Nun gibt es immer wieder Malawi-Aquarianer, die aus ihrem Gesellschaftsbecken herausgefangene Jungfische voller Stolz zu einem Händler bringen und eine gewisse Gegenleistung dafür erwarten. Die meisten wissen aber gar nicht, was sie da dem Händler anbieten. Einen Hybriden sicher zu erkennen und vielleicht noch zu ermitteln, wer die Eltern sind, bedarf es einiger Erfahrung. Ist dann der Händler auch noch einer von denen, die nicht viel vom Fach verstehen - ja, leider gibt's die - dann werden schnell Hybriden in den Umlauf gebracht. Was davon zu halten ist, werden wir noch erläutern. Einen solchen Fall haben wir vor einigen Jahren selbst erlebt. Ein stolzer Kunde brachte ein paar junge Malawi-Cichliden zu meinem Händler Frank Degenhardt und war ganz erstaunt, als er hörte, dass er darauf nicht stolz sein könne. Es handelte sich nämlich um Hybriden aus Maylandia estherae und Labeotropheus trewawasae. Diese schwammen nun bei Frank im Quarantänebecken, denn zum Verkauf sollten sie natürlich nicht kommen. Aus Mitleid haben wir die Tiere dann mitgenommen und in unser Wohnzimmer-Aquarium gesetzt, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, denn dieses Becken verlassen keine Jungfische. Diese Art Hybriden scheint aber dennoch sehr weit verbreitet zu sein. Bei einem Besuch des Mc-Donald-Restaurants im Göteborger Einkaufszentrum haben wir ein ganzes Aquarium dieser Hybriden vorgefunden. Es hat eine Weile gedauert, bis wir die Elterntiere heraus gefunden hatten. Aber auch mit anderen Hybriden hatten wir bereits zu tun, so z.B. mit einer Kreuzung aus Sciaenochromis fryeri und Aulonocara maylandi. Dies war sozusagen ein Unfall, als wir ein zum Verkauf stehendes, einsames, großes Sciaenochromis-fryeri-Männchen kurzzeitig im Becken mit den Aulonocara maylandi zwischengeparkt hatten. Nun schwimmt der Schwarm dieser Hybriden ebenfalls im Wohnzimmerbecken. Außerdem haben wir im Zuchtkeller noch einen einzelnen Hybriden aus Aulonocara jacobfreibergi und Labidochromis sp. "Mbamba" schwimmen, den wir groß ziehen werden und dann versuchen zu fotografieren. Er wird dann auch den Weg ins Wohnzimmer finden. Aber auch bei Cichliden anderer Gewässer kann es zur Hybridenbildung kommen. So kreuzen sich gern die Arten der westafrikanischen Gattung Hemichromis oder der südamerikanischen Gattung Thorichthys. Neulich haben wir auch irgendwo gelesen, dass sich die Arten der L-Wels-Gattung Hypancictrus gern miteinander verkreuzen. Die Ansichten über die Zucht von Hybriden sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können. Insbesondere bei den Malawi-Aquarianern gibt es extreme Befürworter und extreme Gegner, die sich fast die Köpfe einschlagen, wenn sie aufeinander treffen. Die Wahrheit liegt aber wahrscheinlich, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Wir stellen mal ganz einfach die Frage in Raum: brauchen wir Hybriden überhaupt, wo uns doch die Natur soviel Schönheit bietet, die man in einem einzigen Leben kaum erfassen kann? Aber sind es nicht vielleicht in der freien Natur die Hybriden, die irgendwann zur Bildung neuer Arten führen? Wer kann das zu 100 % beantworten? Warum scheiden sich aber gerade hier, bei den Fischen, so sehr die Geister? In der Orchideenzucht gibt es mittlerweile über hunderttausend Hybriden, diese sind sogar allgemein akzeptiert und keiner nimmt Anstoß daran. Liegt es vielleicht daran, dass botanische Orchideenarten in der normalen Zimmerkultur kaum zu pflegen sind und hier die Habsucht alle ethischen Bedenken überwiegt? Die schönsten und geeignetsten Orchideen für die Zimmerkultur sind sogar noch Mehrgattungshybriden, also Hybriden aus mindestens drei Gattungen. Als Beispiel will ich hier mal die Gattung Brassolaeliocattleya nennen, also eine Kreuzung aus den Gattungen Brassia, Laelia und Cattleya. Auch diese Frage können wir nicht beantworten. Sie müssen sich hierzu Ihren eigenen Standpunkt überlegen. Wir meinen, dass grundsätzlich nichts gegen die Zucht von Hybriden spricht, solange die Nachkommen gesunde, agile Tiere sind und keine Qualzuchten darstellen. Auch der Verkauf solcher Hybriden ist nicht von vorn herein verwerflich, wenn man den Kunden ehrlich darauf hinweist, dass es sich um Hybriden handelt. Was wir allerdings verwerflich finden ist, wenn Händler solche Hybriden als neu entdeckte Arten aus dem See hinstellen, um noch ein paar Euro mehr damit zu erzielen. Oder die Tiere bekommen Namen, die von vorn herein assoziieren, dass es sich um "gute Arten" handelt. Ein Beispiel hierfür ist der beliebte Aulonocara "Marmelade cat". Der Name lässt vermuten, dass es sich hierbei um eine gescheckte Variante der Gattung Aulonocara handelt, was aber nicht der Fall ist. So genannte OB-Morphen, also gescheckte Tiere, gibt es nur bei wenigen Arten aus dem Maylandia-zebra-Komplex und bei den zwei Arten der Gattung Labeotropheus, wobei ich im Moment nicht mal sicher sagen kann, ob Labeotropheus fuelleborni auch OB-Morphen ausbildet. Es ist also klar, dass diese "Marmelade cat" Hybriden unter der Beteiligung irgend einer Aulonocara-Art und einer der genannten gescheckten Arten sind. Leider sagt man Ihnen das nicht, sondern bietet Ihnen die Tiere unter solchen Scheinnamen an, womöglich noch zu höheren Preisen als Natur-Arten und Noch verwirrender ist dieses Spiel bei den immer beliebter werdenden "Arten" Aulonocara "Firefish" und "Red Orchidee". Leider entzieht es sich meiner Kenntnis, aus welchen Arten diese Zuchtformen entstanden sind und ob die Bezeichnung "Hybrid" hier überhaupt passend ist. Was ich aber definitiv weiß, ist, dass die Nachzuchten dieser Zuchtformen alles andere als farbstabil sind. Ich frage mich auch manchmal, was die Züchter dieser Tiere eigentlich mit den "nicht gelungenen" Tieren machen. Außerdem ist vor Kurzem ein "Sciaenochromis fryeri" mit gelbem Rücken aufgetaucht. Auch von dieser Form weiß ich nicht, was ich davon halten soll, denn Angaben über die Herkunft dieser Tiere konnte ich bisher noch nicht erhalten. Ich werde Sie hier aber informieren, sobald mir verlässliche Informationen vorliegen. Um noch einmal auf die obige Frage zurück zu kommen, warum sich denn so sehr die Geister bei der Hybridenzucht in der Aquaristik scheiden, andererorts aber nicht. Nachdem ich mich in den letzten Wochen nich einmal intensiver mit diesem Problem beschäftigt habe, sehe ich einen der Hauptgründe, dass z. B. die Orchideen-Hybriden problemlos akzeptiert werden, die Malawi-Hybriden aber weitestgehend nicht, darin, dass das Stichwort hier "Ehrlichkeit" heißt. Um es auf den Punkt zu bringen: Orchideen-Züchter sind ehrlicher als Aquarianer. Dies nicht nur in Bezug auf den oben erwähnten Schummel-Verkauf der Hybriden als neu entdeckte Arten zu überteuerten Preisen, sondern bereits die Namensgebung verrät die Ehrlichkeit. Bei der Orchidee Laeliocattleya "Alma Wichmann" erkenne ich sofort am Namen, dass es sich um einen Hybriden handelt, nämlich um einen Hybriden aus den Gattungen Laelia und Cattleya. Aber bei Aulonocara "Marmelade cat" erkennt man nichts. Der unbedarfte Neuaquarianer denkt, er hätte es mit einem echten Aulonocara zu tun, und niemand klärt ihn auf, schon gar nicht der geldgierige Züchter/Händler. Hieße das Tier aber Maylandicara "Heinz Pumpernickel", dann wüsste jeder, der sich ein Wenig in Sachen Malawis auskennt, was er vor sich hat. So lange diese Ehrlichkeit aber bei den Aquarianern keinen Einzug hält, werde ich mit Fingern auf die Hybriden-Züchter zeigen, auch wenn ich mir dadurch nicht nur Freunde mache. Die Erhaltung der natürlichen Arten sollte bei aller Toleranz der Zucht gegenüber aber immer im Vordergrund stehen, denn wir wissen nicht, wie lange wir uns an der Schönheit dieser Arten noch erfreuen können. Wie wir am Beispiel des Victoriasees sehen, kann es sehr schnell gehen, dass die natürlichen Arten verschwunden sind, egal durch welches Fehlverhalten der Menschen dies auch immer bewirkt wird. In einem solchen Fall sind dann die von fanatischen Tierschützern oft verteufelten Aquarianer oft die letzte Rettung. Um Ihnen auch zu zeigen, wovon wir hier die ganze Zeit reden, haben wir ein paar Fotos von "unseren" Hybriden gemacht: |
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| Hybriden aus Aulonocara maylandi und Sciaenochromis fryeri | ||||||||||||||||
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| Hybrid aus Maylandia estherae und Labeotropheus trewawasae | ||||||||||||||||
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Hybrid aus Aulonocara jacobfreibergi "New Blue Orchid" und Labidochromis sp. "Mbamba"
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Hybriden aus Aulonocara sp. "Lwanda" und Copadichromis borleyi "Kadango Red Fin".
Die Geschlechter sind deutlich zu unterscheiden. |
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| Weitere Fotos von Hybriden finden Sie auf folgender Seite aus Frankreich: http://burnel.club.fr/horreur_hybrides.htm | ||||||||||||||||