Allgemeines zur Haltung von
Krebsen und Garnelen

Im Sommer 2006 ist es passiert - Bianca hatte den Wunsch, in die Haltung und Zucht von Krebsen und Garnelen einzusteigen. Für mich war das erstmal eine kleiner Schock nach 28 Jahren intensiver Beschäftigung mit Fischen.

Dass die Haltung von Wirbellosen im Aquarium seit einigen Jahren in Mode war, war an mir natürlich nicht spurlos vorbeigegangen, aber anfangen konnte ich mit diesen Tieren nicht allzu viel, außer dass ich sie gern im Salat mochte, was nun wiederum Bianca überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Aber wie das eben so ist, man erfüllt seiner Frau gern diesen Wunsch und mangels Platz im Zuchtkeller fand ein neues Aquariumregal mit nunmehr 11 Becken im Waschkeller seinen Platz. Da ich Bianca ja mit dieser neuen Materie nicht allein lassen konnte, habe auch ich mich ein wenig mit der Materie beschäftigt, und siehe da, nach kurzer Zeit war meine Begeisterung für die kleinen Krabbler größer als die von Bianca. Es war faszinierend, die ersten frisch geschlüpften Garnelen zu sehen (ich war nämlich der erste) und habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Dieses Gefühl kannte ich schon seit Jahren nicht mehr, und nun kann ich auch wieder die Hobby-Einsteiger verstehen, die sich ebenso über ihre ersten drei jungen Guppies freuen und es aller Welt in den Internetforen mitteilen. Für mich war das sozusagen ein "zurück zu den Wurzeln", was einem in seinem warmen Bettchen der langjährigen Erfahrungen zwar eine kalte Dusche, aber damit auch eine gehörige Portion Respekt bringen kann.

Nun gibt es im Internet und in der Literatur bereits eine Reihe von Veröffentlichungen zu diesem Thema und ich werde Ihnen am Ende dieser Seite auch eine kleine Liste von Links anbieten, aber einfach nur damit möchte ich Sie nicht abspeisen und Ihnen ein wenig von unseren Erfahrungen mitteilen.

Das Aquarium

Eigentlich kann jedes beliebige handelsübliche Aquarium für die Haltung verwendet werden. Für die Zwerggarnelen der Gattung Caridina z. B. Becken ab 30 x 20 x 20, für Großarm- und Fächergarnelen natürlich größer, für die Zwergkrebse der Gattung Cambarellus ab etwa 40 Litern und für die größeren Krebse der Gattungen Cambarus, Procambarus, Orconectes, Cherax usw. sollten es Becken ab etwa 100 Litern aufwärts sein, je nach Endgröße der Tiere. Bei Krebsen halte ich die Größe der Grundfläche für am wichtigsten, weil sie sich dort die meiste Zeit über aufhalten.

Wir haben für unsere Krebse der Gattung Cambarellus entsprechend unserer Regalmaße Becken mit den Maßen 40 x 44 x 20 anfertigen lassen, und die Cherax sp. "Blue Moon" bewohnen ebenfalls eine Spezialanfertigung mit den Maßen 80 x 44 x 30. Bei größeren Tieren wie z.B. Cherax quadricarinatus kommt man aber damit nicht aus und muss schon bedeutend tiefer in die Tasche greifen. An dieser Stelle gilt mein Dank für sehr preisgünstige Anfertigung des Cherax-Beckens der "Glastechnik Kittner" in Möser bei Magdeburg.

Eingerichtet haben wir die Becken mit feinem Kies, ca. 1 mm Körnung, als Bodengrund. Auf Sand haben wir verzichtet, da die Garnelenbecken filterlos laufen und der Kiesgrund die entsprechende Filterung übernehmen muss. Verwendet man hingegen einen kleinen Innenfilter, kann auch ein guter Quarzsand zum Einsatz kommen. Die Krebsbecken werden auf zweierlei Arten gefiltert. Die kleinen nach der Norbert-Paul Methode, die ich nach dem "Erfinder" dieser Filterung, dem Inhaber des Zoogeschäfts "Zoo-Paul" in Magdeburg benannt habe, das große mit einem Eck-Mattenfilter, wie ihn Olaf Deters auf seiner Internetseite "Aquaristik ohne Geheimnisse" beschreibt. Der Norbert-Paul-Filter besteht einfach aus einem Haufen gröberen Kieses, dem sogenannten Perlkies mit einer Körnung von etwa 4 - 5 mm, in einer der hinteren Ecken des Aquariums, in den wir einen Luftschlauch mit einem Ausströmer gesteckt haben und der nun das zu filternde Wasser durch diesen Kieshaufen saugt. Diese Methode funktioniert sehr gut, wird aber wohl bei den Zoo-Händlern nicht unbedingt auf die große Liebe stoßen.

Die Beleuchtung der Becken (jeweils pro Etage des Regals) erfolgt mit 16 Watt T4-Leuchtstoffröhren, wie man sie im Baumarkt fertig als Küchenlampen oder sowas zu kaufen bekommt.

Da die Temperatur im Waschkeller ständig bei ca. 22 °C liegt, werden die Becken nicht beheizt. Nur das in der unteren Regaletage stehende Cherax-Becken hat einen Heizer, der auf 23°C eingestellt ist.

Becken für Wirbellose sollten immer reich an Versteckmöglichkeiten sein, damit sich die Tiere bei Bedarf zurückziehen können und besonders nach der Häutung den notwendigen Schutz haben. Hierfür haben wir verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, z.B. halbierte Kokosnussschalen, in die wir einen Eingang gebrochen haben, Höhlen aus aufgeschichteten Steinen, liegende kleine Tonblumentöpfe usw. Bei der Verwendung von Steinen muss darauf geachtet werden, dass diese von den Krebsen nicht untergraben werden können, sonst könnte es gefährlich für die Tiere und die Bodenscheibe des Beckens werden.

Eine Decke aus Buchenlaub auf dem Bodengrund bietet besonders den Jungtieren gute Versteckmöglichkeiten und sieht außerdem noch sehr attraktiv aus.

Auch Pflanzen sollten sie in Garnelen und Zwergkrebsbecken nicht vergessen. Bei den größeren Krebsen wie Cambarus, Procambarus etc. besteht allerdings das Risiko, dass die Tiere die Pflanzen abknipsen, auffressen oder ausgraben. In unseren Becken haben folgende Pflanzen einen Platz gefunden: Teichlebermoos (Riccia fluitans), Javamoos (Vesicularia dubyana), kleiner Wasserfreund (Hygrophila polysperma), Wasserefeu (Hydrocotyle leucocephala), Perlkraut (Hemianthus micranthemoides), Wasserpest (Egeria densa), Mooskugeln (Cladophora aegagrophila) und Nixkraut (Najas guadalupensis).

Wirbellosen-Aquarium

Hier als Beispiel unser CPO-Becken mit Laubdecke auf dem Grund.

Wirbellosen-Aquarium

Das Becken von C. shufeldtii sieht ähnlich aus.

Wirbellosen-Aquarium

Ein Ausschnitt aus unserem "dreckigen" Zwergkrebsbecken.

Und nochmal ...

Zwergkrebs-Aquarium

"Grünes" Krebsbecken mit Javamoos.

Zwergkrebs-Aquarium

Höhle aus Natursteinen.

Das Futter

Wirbellose Tiere zu ernähren ist nicht besonders schwierig, da sie fast alles fressen, was ihnen vor die Scheren kommt. Das sollte Sie aber nicht verleiten, allzu sorglos mit diesem Thema umzugehen. Wie bei den Fischen ist auch bei den Wirbellosen eine artgerechte und abwechselungsreiche Ernährung für die Gesunderhaltung der Tiere wichtig. Außerdem bestehen oftmal Unterschiede in der Ernährung von Jungtieren und adulten Tieren.

Oftmals liest man im Internet, dass man Wirbellose bequem mit Flockenfutter und anderem Fischfutter ernähren kann. Das ist zwar insoweit richtig, dass es bequem ist, aber ob es auch immer gut bezweifele ich.

Der Handel bietet eine Reihe von extra für die Fütterung von Wirbellosen hergestellten Futtersorten an, als Beispiel möchte ich hier nennen: JBL NovoCrab, JBL NovoPrawn, Tropical Shrimp-Sticks, , Tropical Wafers, SAK Caridina usw. Diese Sorten haben wir erprobt und können sie reinen Gewissens empfehlen. Außerdem wird häufig pflanzliches Nagerfutter empfohlen, insbesondere Futter für Chinchillas. Hier sollte man aber ein wenig Vorsicht walten lassen, denn wir haben eine Menge dieser Futtersorten im Handel gefunden, die Kupfer enthalten. Kupfer ist aber einer bestimmten Konzentration für wirbellose Tiere tötlich. Es gibt zwar eine Reihe von Berichten von Haltern und Züchtern, die dieses Futter als ungefährlich einstufen, ich selbst habe aber keinerlei Versuche in dieser Richtung gemacht. Ohne Kupfer gefunden und erprobt haben wir lediglich die Gemüse-Rauten der Firma JR Farm (www.jr-farm.de).

Sehr gut geeignet für Wirbellose ist Gemüse, dass man in kleinen Stückchen und überbrüht anbieten kann, z.B. Möhren, Zucchini, süßen Paprika, Spinat, Mangold, Hokaido-Kürbis und Salat. Nach einem Tag nicht gefressenes Gemüse sollte aber wieder aus dem Becken entfernt werden, bevor es anfängt zu gammeln.

Garnelen fressen mit großer Vorliebe Nudeln, die man ungekocht in kleiner Menge ins Becken geben kann. Nach einigen Stunden müssen diese aber wieder entfernt werden, da sie sonst das Wasser sehr belasten.

Ein ideales Futter stellt nachunseren Erfahrung Laub dar. Dieses Laub muss aber unbedingt Herbstlaub sein, dass von selbst herunter gefallen ist. Gepflücktes und getrocknetes Laub sollte nicht verwendet werden. Wenn Sie also in Ihrer Nähe einen Park oder Wald haben, an dem nicht gerade eine große Straße vorbei führt, dann machen Sie mit Ihrer Familie einen Spaziergang und sammeln Laub, aber bedenken Sie, dass es soviel sein muss, dass es ein Jahr lang reicht. Wir haben in unserem Keller mehrere Klappboxen voll stehen. Gut getrocknet und in einem kühlen und trocknen Keller gelagert dürfte das Laub so das Jahr überstehen. Bevor wir das Laub ins Becken geben, überbrühen wir es mit kochendem Wasser und lassen es für 2 Minuten darin liegen. Wir haben uns auf 3 Laubsorten festgelegt, und zwar auf Eichenlaub, Buchenlaub und Hasellaub. Nach unseren Erfahrungen wird das Hasellaub am liebsten gefressen. Es hat auch den Vorteil, dass es nach dem Überbrühen sofort absinkt und somit direkt an die richtigen stellen im Becken gelegt werden kann. Das Eichen- und Buchenlaub schwimmt noch einige Stunden und sinkt dann meist dorthin, wo man es nicht haben will. Buchenlaub sieht dafür aber sehr attraktiv aus und unsere Garnelen fressen es, bis nur noch das Blattgerippe liegen bleibt. Das Eichenlaub hat den Vorteil, dass es wohl Säuen an das Wasser abgeben soll, die besonders den Jungtieren der Cherax-Arten bei der Panzerbildung behilflich sein soll, da wir aber mit Chemie nicht allzuviel am Hut haben, überlassen wir es Ihnen, sich Informationen hierzu aus anderen Quellen zu holen.

Bestimmte Krebsarten fressen auch gern mal tierisches Futter. Ein kleines Stückchen roher Fisch ist dafür gut geeignet, insbesondere für Jungtiere, die dann in wesentlich höherer Geschwindigkeit wachsen.. Es kann auch mal passieren, dass die Krebse einen Artgenossen fressen, der bei der Häutung nicht schnell genug aus seinem alten Panzer kommt. Zwergkrebse der Gattung Cambarellus sollten als adulte Tiere nur sehr wenig tierisches Eiweiß zu sich nehmen, da dies die Häutung auslösen kann. Bei zu häufiger Häutung führt das häufig zum Tod der Tiere. Bei Jungtieren, die sich häufig häuten, kann man öfter tierische Nahrung füttern.

Besonders junge Garnelen fressen mit großer Vorliebe Detritus und Mulm. Wenn sie also den Filter eines Fischaquariums reinigen, können sie einen Teil des darin enthaltenen Mulms in ihr Garnelenbecken geben.

Blaue Tigergarnele an einem Mangoldblatt.

Blaue Tigergarnele an einem Mangoldblatt.

CPO an einer Futtertablette.

CPO an einer Futtertablette.

CPO beim Fressen an einer Zucchinischeibe.

CPO beim Fressen an einer Zucchinischeibe.

Neocaridina heteropoda zupft an einem Algenbüschel.

Neocaridina heteropoda zupft an einem Algenbüschel.

Das bleibt nach einigen Stunden von einer Zucchinischeibe übrig.

Das bleibt nach einigen Stunden von einer Zucchinischeibe übrig.

Gieriger Krebs

Manchmal können Krebse regelrecht gierig sein.
(Foto von Oliver Mengedoth)

Red-Fire-Garnelen

Red-Fire-Garnelen fressen an einer zerfallenen Futtertablette.

CPO mit einem Stück Fischfleisch.

CPO mit einem Stück Fischfleisch.

Wichtige Hinweise

Bei der Haltung von Krebsen und Garnelen gibt es aber noch einige andere Dinge zu beachten, auf die wir an dieser Stelle hinweisen möchten, damit sie auch wirklich Freude an Ihren Tieren haben.

Kupfer:

Kupfer im Leitungswasser ist für Wirbellose tötlich. Besonders in Neubauwohnungen oder im sanierten Altbau werden Kupferleitungen als Wasserleitungen verwendet, die gern, insbesondere beim Warmwasser, Kupfer-Ionen an das Wasser abgeben.

Um die Gefahr zu bannen, werden oft eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, die man aber kritisch betrachten sollte. So z. B. das Verwenden von Schwermetalle bindenden Wasseraufbereitern. Ich frage mich aber, wo bleibt das Kupfer dann, denn raus aus dem Becken ist es ja nicht. Es kann also nur gebunden werden und sich irgendwo im Filter oder im Bodengrund ablagern. Wer garantiert mir aber, dass es von dort nicht doch irgendwann wieder ins freie Wasser gelangt ? Die chemischen Reaktionen im Becken lassen sich von einem Laien kaum nachvollziehen.

Andere wiederum empfehlen, zum Wasserwechsel nur kaltes Wasser zu verwenden, weil darin kein Kupfer sein soll. Wer aber kann das garantieren ? Womit wird das gemessen ? Unsere handelsüblichen Messreagenzien für Aquarien können für Wirbellose bereits tötliche Kupfermengen nicht messen, sie zeigen also Null an. Für Fische mag das reichen, nicht aber für Wirbellose.

Um wirklich sicher zu gehen können wir daher nur die Verwendung eines Reiser- oder Carbonit-Leitungswasserfilters empfehlen.

Verwenden sie auch bitte in Ihren Becken keine Mittel zur Schneckenbekämpfung, denn diese enthalten sehr viel Kupfer und würden Ihre Tiere in wenigen Minuten töten. Vorsicht ist auch geboten bei der Verwendung von Pflanzendüngern, die Kupfer enthalten. Verwenden Sie niemals Dünger, auf denen keine Inhaltsangaben stehen. Kupfer-II-Sulfat, was in manchen Düngern enthalten ist, soll ungefährlich für Wirbellose sein.

Pflanzen, die Sie im Handel erworben haben, sind oft mit Pflanzenschutzmitteln oder Schneckenmitteln in Berührung gekommen und dürfen daher nicht unmittelbar ins Aquarium gepflanzt werden. Wässern sie solche Pflanzen erst einige Tage und spülen Sie sie öfter unter fließendem Wasser ab, bevor Sie sie in das Aquarium Pflanzen. Am sichersten gehen Sie, wenn sie Pflanzen aus bestehenden Becken verwenden oder von Züchtern direkt aus Wirbellosen-Becken kaufen.

Krankheiten:

In den Veröffentlichungen sind bereits einige Krankheiten von Wirbellosen beschrieben worden, mit unterschiedlicher Bedeutung für die Aquarienhaltung. Erwähnen möchte ich hier lediglich die Krebspest. Es handelt sich hierbei um einen Pilz, gegen den nordamerikanische Krebsarten immun sind, die europäischen, asiatischen und australischen Krebse jedoch nicht. Diese sterben nach einer Infektion innerhalb weniger Tage an dieser Erkrankung. Ein Heilmittel gibt es nicht.

Wenn Sie also nordamerikanische Krebse (Cambarellus, Cambarus, Procambarus, Orconectes etc.) und gleichzeitig andere Krebse (z. B. Cherax) halten wollen, dann darf das nie im selben Becken geschehen, denn die amerikaner sind zwar selbst immun, treten aber als Überträger auf. Außerdem sollte jeglicher Kontakt der Aquarien untereinander, z. B. durch Wasser, Eimer, Kescher, Schlauch etc., unbedingt vermieden werden.

Vergesellschaftung:

Krebse und Garnelen können unter Umständen mit Fischen vergesellschaftet werden. Zwerggarnelen kann man gut mit kleinen Fischen zusammen halten, die den jungen Garnelen nicht nachstellen. Malawi-Cichliden sind hierfür natürlich ungeeignet. Bei Zwergkrebsen dürfte das ähnlich sein. Großarmgarnelen und größere Krebse können sich aber gern mal einen langsameren Fisch schnappen, wobei ich das bei Cherax bisher weniger erlebt habe. Bei den Nordamerikanern (Cambarus, Procambarus, ...) kommt dies aber häufiger vor.

Schutz:

Aquarien mit größeren Krebsen müssen sehr gut abgedeckt sein, da sie gern mal auf Wanderschaft gehen. Zwar können die Krebse einige Stunden an Land überleben, da ihre Kiemen auch atmosphärische Luft aufnehmen können, aber in unseren trocknen Zimmern vertrocknen die Tiere schnell. Deckel von Kunststoffabdeckungen kann man gut mit kräftigem Klebeband fixieren, auf Deckscheiben kann ein Stein gelegt werden. Es gibt Krebsarten, denen fällt es nämlich nicht schwer, auch eine Deckscheibe aufzudrücken, wie z.B. Cambarus rusticiformis. Wenn sie dann noch am Mattenfilter hochklettern können, haben sie ideale Bedingungen für einen Ausflug. Sollte es doch einmal passieren, dann kann eine flache Schale mit Wasser am Fußboden in irgend einer Ecke des Aquariumzimmers Abhilfe schaffen. Die Krebse, die bei Regenwetter oft über Land wandern um andere Gewässer zu finden, dürften diese Schale finden können.

Umweltschutz:

Bitte achten sie darauf, dass Ihre Krebse und Garnelen nicht in unsere heimischen Gewässer gelangen. Hier würden sie schweren Schaden an den heimischen Population anrichten. Insbesondere die nordamerikanischen Krebse können in unseren Gewässern überleben, und bereits jetzt sind in einigen Regionen Europas z. B. Procambarus-Arten ausgewildert und haben durch das Einschleppen der Krebspest unsere eigenen Bestände ausgerottet.

Achten Sie daher beim Wasserwechsel immer darauf, dass die winzigen Jungtiere nicht in unsere Gewässer geraten. Ob sie, wenn sie in die städtische Kanalisation geraten, dort überleben können und dann heimische Gewässer erreichen, weiß ich nicht. Auch das Einsetzen von Krebsen in den Gartenteich sollte man unterlassen, denn sie können von dort in heimische Gewässer abwandern.

Wir haben selbst ein negatives Beispiel erlebt, dass wir hier einmal erzählen wollen:

Ein Kunde unserer Zierfischbörse hat vor einiger Zeit dort einige Krebse erworben und in sein Aquarium gesetzt. Eines Morgens stand einer dieser Krebse auf den Hauschuhen der Tochter und hat mit den Scheren gedroht. Die Angst der Tochter wurde zum Anlass genommen, die Krebse in den Gartenteich umziehen zu lassen, in der Hoffnung, die Tiere würden den Winter nicht überleben. Mittlerweile wissen wir, dass es sich dabei um Marmorkrebse handelt. Leider weiß ich nicht, um welche Art es sich handelt, ich vermute aber stark, dass es Marmorkrebse sind. Die Tiere haben den folgenden Winter unter dem Eis überlebt, und statt ihrer drei waren es bald 100 Stück. Ich kann nur hoffen, dass ihnen der Weg zum nächsten Fluss zu weit ist und die Straßen, die sie dabei überqueren müssten, das Ihrige tun.

Einige Gedanken zu Problemen:

Oft hört oder liest man von Problemen bei der Haltung und besonders der Nachzucht von Garnelen oder Krebsen. So wird z. B. den Orangen Zwergkrebsen (Cambarellus patzcuarensis) nachgesagt, dass sie häufig sterben, sich wenig bis nicht vermehren oder übermäßig kannibalisch wären. All diese Aussagen können wir nicht bestätigen. Zwar hatten wir anfänglich auch diese Probleme, haben sie aber relativ schnell überwunden. Die Lösung war einfach ein Kalkstein im Becken, nach dessen Hineinlegen alle genannten Probleme verschwunden waren. Unsere Theorie: die Tiere leben im Lago de Patzcuaro bei einem pH-Wert bis 9. Unsere Leitungswässer kommen oft mit einem pH-Wert zwischen 7 und 8 aus der Leitung. Dies hat zur Folge, dass besonders bei Wasser sparenden Aquarianern, dieser schnell unter 7 rutscht. Nach dem nächsten Wasserwechsel springt er wieder hoch. Diesen regelmäßigen Sprung über den Neutralpunkt scheinen die Tiere auf Dauer nicht zu vertragen. Der Kalkstein aber hält die Karbonathärte (KH) stabil und somit den pH-Wert konstant über 7, auch bei selteneren Wasserwechseln. Unter diesen Bedingungen richtet auch ein richtig großer Wasserwechsel keinen Schaden an, wie es bei schwankendem pH der Fall sein könnte. Wir haben diese Kalksteine aber nicht nur in den Zwergkrebsbecken, sondern in allen Wirbellosen-Becken.

Auch von Problemen bei Garnelen hört man oft. Es wird erzählt oder in den Foren geschrieben, dass besonders die Jungtiere oft sterben und eine gute Nachzucht nicht erreicht wird. Einer der Gründe scheint derselbe zu sein, wie wir ihn oben zu den Zwergkrebsen beschrieben haben. In den einschlägigen Internetforen werden auf derartige Fragen dann die Wasserwerte bemüht, was ja grundsätzlich nicht falsch ist, aber die Antworten tendieren eher von dem oben Beschriebenen weg. Insbesondere durch die Aussagen einiger Züchter angeregt, dass sich besonders die Red-Bee-Garnelen nur in weicherem und leicht saurem Wasser erfolgreich nachzüchten lassen, werden dann Osmoseanlagen, Härte bindende Bodengründe und japanische Mineralsteine bemüht, natürlich alles zu einem entsprechenden Preis, ob dies aber alles sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Verlässliche Angaben zu Wasserwerten der Heimatgewässer der Garnelen findet man im Internet oder der Literatur kaum. Zu den Bienengarnelen habe ich lediglich die Aussage gefunden, dass sie aus Hongkong stammen und dort in Gewässern mit niedrigem Leitwert leben. Aber was ist ein niedriger Leitwert? Ein Leitwert von 400 µs/cm ist im Vergleich zum Wasser des Rio Negro sehr hoch, im Vergleich zum Wasser der Nordsee aber sehr niedrig. Außerdem frage ich mich, warum sich bei den Garnelen zwei Vermehrungstypen entwickelt haben. Die einen, der einfache Vermehrungstyp, entlassen winzige Larven ins Süßwasser, diese wandern dann ins Meerwasser, wo sie zu vollständigen kleinen Garnelen heranwachsen, die dann wiederum ins Süßwasser zurück wandern. Die Anzahl der Larven ist hierbei sehr groß. Die anderen, der spezialisierte Vermehrungstyp, tragen die Larven bei sich, bis sich vollständige kleine Garnelen entwickelt haben, die dann ins Süßwasser entlassen werden und dort aufwachsen. Die Anzahl der Jungtiere ist entsprechend kleiner. Hängt es möglicherweise damit zusammen, dass die erst genannten Garnelen in mineralärmeren Gewässern leben und die Jungtiere nur in mineralreichem Wasser zur vollständigen Entwicklung kommen, die letztgenannten dies aber schon in ihrem Heimatgewässer so vorfinden? Ich kann diese Frage nicht beantworten, kann mir aber vorstellen, dass dies so ist. Wenn dem so ist, wäre weiches Wasser für die Zwerggarnelen des spezialisierten Vermehrungstyps nicht zuträglich. Die in Japan für die Garnelenzucht angebotenen Mineralsteine scheinen dies auch zu bestätigen. Eine sichere Antwort wird es aber erst geben, wenn vollständige Angaben über die Werte der Heimatgewässer vorliegen und verglichen werden können.

Aber noch einmal zurück zu der Ausgangsfrage: die Garnelen vermehren sich nicht oder die Jungtiere sterben. Wenn ich mir die entsprechenden Becken dann auf Fotos oder in der Realität ansehe, dann sehe ich fast ausnahmslos top „gepflegte“ Becken, richtig schön sauber und mit einer Menge Pflanzen. Schaut man sich aber die wenigen Fotos aus den Heimatbiotopen an, dann ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Garnelen leben meist in fließenden Gewässern mit steinigem Untergrund und Algenaufwuchs und keinerlei höheren Pflanzen. Lediglich Laub oder Totholz ist zu finden. Dies soll nun aber nicht heißen, dass man keine Pflanzen in seine Garnelenbecken setzen sollte, denn ein Garnelenbecken im Wohnraum soll auch schön aussehen und die Tiere können sich von abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren. Das Hauptproblem sehen wir aber darin, dass die Becken zu sauber sind. Schaut man sich die Anatomie einer Garnele an und beobachtet ihr Verhalten, dann sieht man, dass sie eigentlich permanent am Fressen sind, was bei einem schnurgeraden, knapp 3 cm langen Darm auch erforderlich scheint. Im Gegensatz zum mehrfach gewundenen Darm der Wirbeltiere kann ein Garnelendarm vermutlich nicht sehr viele Nährstoffe aus der Nahrung resorbieren, was eine permanente Nahrungszufuhr erforderlich macht. In sauberen Becken bekommen die Tiere aber oft nur ein- bis zweimal am Tag Futter, was heißen könnte, dass besonders die Jungtiere nicht an angeblich falschen Wasserwerten sterben, sondern schlicht verhungern. In unseren Becken liegt immer eine bestimmte Menge Laub, dass so lange in den Becken verbleibt, bis es vollständig verwertet ist, außerdem kommt regelmäßig eine größere Menge Filtermulm aus Fischaquarien in die Garnelenbecken, auf den sich die Garnelen förmlich stürzen. Auch Gemüse verbleibt bis zur vollständigen Verwertung im Becken, was oft nur 2 – 3 Tage dauert. Algen verbleiben grundsätzlich an den Scheiben, außer der Frontscheibe und absterbende Pflanzenblätter werden ebenfalls nicht entfernt. So haben wir kaum Verluste bei den Jungtieren. Außerdem bekommen insbesondere die Junggarnelen auch mal einen toten kleinen Fisch zu fressen, der meist auch nach 2 – 3 Tagen vollständig verwertet ist. So können die Garnelen den ganzen Tag über fressen. 

Diese zuvor beschriebenen Lösungsansätze haben sich bisher bei allen Garnelen der Caridina-heteropoda-Formen, bei den verschiedenen Formen der Tiger-Garnele und der Hummelgarnele bewährt. In Erprobung befinden sich diese Methoden zurzeit bei Bienen- und Crystal-Red-Garnelen sowie Blue-Perl-Garnelen (Neocaridina cf. zhangjiajiensis). Sollten sie bei den Bienen und Crystal-Red ebenso wie bei den anderen Arten und Formen funktionieren, kann man sie wohl auch auf Red-Bee-Garnelen, übertragen, da diese Garnelen entweder durch Auslese entstandene Zuchtformen der Crystal-Red-Garnele sind oder diese zumindest an deren Entstehung beteiligt waren. Ob wir eines Tages diese Garnelenformen selbst ausprobieren werden, wissen wir noch nicht, denn diese Formen gefallen uns immer weniger, je höher der Weißanteil ist. Vielleicht kann ja ein Fan dieser Red-Bee unsere Vorschläge ausprobieren und uns die Ergebnisse mitteilen.

Weiterführende Veröffentlichungen

Wenn Sie sich weiterführend mit dieser Thematik beschäftigen wollen, dann haben wir für Sie folgende Empfehlungen:

- Zeitschrift "Caridina" vom Dähne-Verlag

- Das Buch "Krebse im Aquarium" von Chris Lukhaup vom Dähne-Verlag

- crusta.de - Die Internetseite einer guten Freundin, die sich ausschließlich mit Wirbellosen beschäftigt.

- www.wirbellose.de - der Name spricht für sich.

- www.garnele-online.de - das Garnelen-Magazin zum Download.

- www.garnelenaquarium.de - schauen Sie einfach mal rein !

- und natürlich können sie auch in den Wirbellosen-Bereichen einiger Internetforen Ihre Fragen stellen (Links).

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