Mal was Neues – Cherax cf. monticola

(Fortsetzungsbericht)


24.07.2010

Wie sagt „Pop-Titan“ Dieter Bohlen so oft? „Irgendwas ist immer“. Stimmt, und vor allem kommt es oft anders als man denkt. Und auch bei mir kommt es grad mal wieder ganz anders.

Nach nunmehr über 31 Jahren Aquaristik hatte ich vor einigen Monaten mal ein bisschen die Nase voll und brauchte eine relative Pause, also eine Zeit, in der die Aquaristik auf ein Wenig auf die Strafbank verbannt wird. Da Sascha letzten Februar nun auch ins eigene Leben gegangen und in die Nähe seines Arbeitsorts gezogen ist und mir meinen Keller förmlich ausgeraubt hat, war gerade zu diesem Zeitpunkt ein guter Zeitpunkt für eine Verschnaufpause. So habe ich also nur noch die Zuchtgruppen erhalten und kaum noch Nachzuchten angesetzt. In dieser Zeit habe ich mich mit anderen Dingen beschäftigt, z. B. mit unserem Collie Gerry und mit meiner nebenberuflichen Arbeit als Webdesigner und Computergrafiker.

Nun wurde es aber wieder langsam Zeit, die Lücken im Keller zu füllen und ein Teil der über 30 Jahre alten Becken muss auch ausgetauscht werden. So habe ich also vor Kurzen 9 neue Aquarien bestellt, in den unterschiedlichsten Größen, darunter 3 Krebsbecken mit den Maßen 80 x 45 x 30 cm und plante, diese für die Gattung Cherax zu verwenden. Genau gesagt sollte eins dieser Becken ein Aufzuchtbecken werden, eins sollte Cherax sp. „Hoa Creek“ beherbergen und das dritte sollte als Bewohner ein Pärchen Cherax boesemani „Red Brick“ erhalten. Die „Red Brick“ hatte ich schon bei Steffi (Rennschnecke aus dem Forum „Crustawelt“) bestellt. In Sachen „Hoa Creek“ habe ich ein Weibchen aus dem Bestand für die Magdeburger Tierwelt-Messe übernommen und das dazu gehörig Männchen sollte auch von Steffi kommen. Ziel war eigentlich, nur noch farblich ansprechende Krebse nachzuziehen, die auch guten Absatz finden.

Da Sascha grad Urlaub hat und für eine Woche nach Hause gekommen ist, kann ich mit seiner Hilfe den Umbau im Keller schnell über die Bühne bringen. Gestern konnten wir bereits 4 der neuen Becken abholen und aufstellen, darunter die 3 oben erwähnten Krebsbecken.

Wer die Szene verfolgt, der weiß, dass das Crustahunter-Team von Chris Lukhaup erst vor wenigen Tagen von einer 3-wöchigen Papua-Reise heimgekehrt ist, und wie es der Zufall so will, telefonierte ich mit dem leicht ledierten Andreas Karge, weil ich ihm vom Glaser etwas ausrichten sollte. Andreas erzählte mir, er habe 4 Krebse der Gattung Cherax mit nach Hause gebracht, die zwar nicht so verkaufswirksam aussähen, die aber wohl noch nicht wirklich im Aquarium nachgezogen worden sein sollen und er sie mir für einen Zuchtbericht überlassen würde. Was nun? Ich hatte doch andere Pläne! Aber natürlich ist das auch wieder sehr reizvoll und es würde eine gute Gelegenheit ergeben, die Pause zu beenden und in der aquaristischen Welt wieder mitzureden. Und schließlich habe ich mit solchen Berichten ja bereits Erfahrung, man erinnere sich an „meinen“ Cherax „Blue Moon“.

Aber wenn er nicht so toll aussieht? Egal, ich kann einfach nicht anders.

Andreas sagte mir, dass es sich möglicherweise um Cherax monticola handeln könne“.

Also dann, Telefon her und Steffi anrufen! Ich musste schließlich die „Red Brick“ erst mal wieder abbestellen. Außerdem braucht man ja immer eine zweite Meinung, und da ist mir Steffi in Sachen Wirbellose immer eine der liebsten. Als sie den Namen hörte, rief sie ins Telefon: „Sofort mitnehmen, alle 4, und schön nachziehen!“ Na gut, wenn man so nett überredet wird. Sie schickt mir nun nur noch das Hoa-Creek-Männchen, das muss sein, denn Sie wissen ja, was ich von Einzelhaltung halte.

Das nächste Telefonat galt Chris Lukhaup, denn ich muss ja Einiges über die Herkunft der Tiere wissen.

Chris sagte, es handele sich um eine Cherax-Art, die Cherax monticola sein könnte, aber nicht muss, weil sie etwas anders gefärbt ist. Er habe sie in einem Fluss im Baliental bei der Stadt Wamena gefangen, sie seien recht unempfindlich, bräuchten aber alkalisches Wasser. Ein der Tiere, die Andreas mitgenommen hat, habe sogar Laich getragen.

Da eine sichere Bestimmung noch eine Weile dauere, legten wir uns darauf fest, vorerst von Cherax cf. monticola zu sprechen.

Also fahre ich nun heute Nachmittag mit meiner Familie die 25 km zu Andreas und hole 4 Krebse ab, von denen ich noch nie etwas gehört habe, geschweige denn die ich jemals vorher gesehen hätte. Und dann schauen wir mal, ob ich wieder so einen Bericht wie damals über „Blue Moon“ zusammen bekomme.



27.07.2010

Letzten Samstag war es dann am Nachmittag so weit und wir sind zu wie geplant zu Andreas Karge nach Schönebeck gefahren. Na gut, nicht direkt, wir mussten über unseren nächsten Zielort Calbe/Saale, der dahinter liegt, fahren, da Andreas vergessen hatte mir zu sagen, dass die Autobahnausfahrt Schönebeck gesperrt war. Aber wir waren trotzdem relativ pünktlich, wurden herzlichst begrüßt und nachdem sich unsere Hunde ein Weilchen beschnuppert hatten, setzten wir uns in den Garten und tranken gmeinsam ein Tässchen Kaffee bzw. Tee. Das Gespräch drehte sich natürlich hauptsächlich um die Reise des Crusta-Hunter-Teams nach Papua und Andreas konnte ich einigen Frust von der Seele reden, der sich bei im angesichts der etwas unfreundlichen einheimischen Bevölkerung aufgebaut hatte.

Die nette Plauderei mussten wir dann mal kurz unterbrechen um in Calbe anzurufen und Bescheid zu sagen, dass wir uns zur Geburtstagsfeier wohl mindestens um eine Stunde verspäten würden. Eigentlich war das Vorhaben, nur "mal schnell" zu Andreas zu fahren, von Anfang an ein tot geborenes Kind, denn zu Andreas kurz nach einer aquaristischen Reise fährt man nicht "mal kurz".

Irgendwann schafften wir es dann unsere Hinterleiber vom Stuhl zu erheben um in den Keller zu gehen. Nein, nicht zu den Krebsen, sondern um Andres' neue "Legebatterie" in Form von 2 frisch geklebten Garnelen-Reihen-Becken in den Keller zu tragen, denn Andreas ist derzeit etwas lediert und kann nicht so recht tragen.

Aber dann ging es zu den Krebsen in die geheimnisvolle aquaristische "Hexenküche" des Garnelensektors des Crusta10-Teams.

Und da saßen sie: 4 halbwüchsige Cherax cf. monticola zwischen 5 und 8 cm Körperlänge, getrennt in 4 kleinen Aquarien. Und so grau wie Andreas und Chris am Telefon sagten, fand ich sie gar nicht. Ich konnte sogar das dunkle Grün erkennen, was ich auf dem Foto gesehen hatte.

In diesen 4 Becken hatte Andreas Karge die Krebse Cherax monticola einzeln

In diesen 4 Becken hatte Andreas Karge die Krebse einzeln
"geparkt".

Eins der Weibchen von Cherax cf. monticola.

Henry Wollentin und Andreas Karge - Cherax monticola raus fangen

Ich hole "todesmutig" die Tiere mit der Hand
aus den Becken ...

Henry Wollentin und Andreas Karge - Cherax monticola raus fangen

... und Andreas schaut zu und hält die Transportboxen.

Transportbehälter hatten wir natürlich mitgebracht und Andreas, wie jeder weiß Garnelen-Spezialist, versuchte die Krebse zu fangen ... bis er mir die Aufgabe abtrat.

Ich hatte die Krebse auch relativ schnell gefangen, war aber doch erstaunt darüber, dass sie weitaus aggressiver reagierten als ich es von den "Blue Moon" kenne.

Was mich aber sehr freute, war der Umstand, dass eins der Tiere bereits zwischen 15 und 20 Larven trug und die Gruppe aus 2 Männchen und 2 Weibchen bestand.

Cherax monticola Männchen

Das große Männchen in der Transportbox.

Man sieht deutlich die massigen Scheren, die bereits in diesem jungen Alter eine "Blase" besitzen..

Cherax monticola Weibchen

Eins der Weibchen in der Transportbox.

Cherax monticola Männchen

Der "Mini" der Gruppe, auch ein Mänchen.

Cherax monticola Weibchen mit Larven / Jungtieren

Das Weibchen mit den Larven.

Danach ging es erst mal zum Geburtstag, denn das Abend-Buffet wollte ich um nichts in der Welt verpassen und gegen 21.00 Uhr zurück nach Magdeburg.

Wir entschlossen uns, das tragende Weibchen sofort in ein Absetzbecken zu setzen, ein Pärchen in ein Haltungsbecken und das zweite und auch kleinste Männchen in das zweite Haltungsbecken.

Zwar hatte ich die erhöhte Aggressivität der Tiere schon bei Andreas bemerkt, nahm diesen Umstand aber leider nicht so wichtig und griff, wie ich es bei "Blue Moon" in dieser Größe immer mache, mit der Hand zu. Als erstes war das Männchen dran, das wie von krebsen gewohnt innerhalb der Transport-Dose flüchten wollte um dann, als ich ihn am Charapax griff, mit der einen Schere erstaunlich weit nach hinten griff und mich am rechten Zeigefinger neben dem Fingernagel erwischte. In der ersten Sekunde nahm ich auch das nicht für so schlimm, hatten mich junge Blue-Moon-Männchen doch auch schon des Öfteren mal gezwickt, in der zweiten Sekunde spürte ich dann aber, dass es kein Vergleich zu "BlueMoon" war, sah in der dritten Sekunde, dass die Schere erheblich massiver war, plärrte laut "Aua!" und bekam den Burschen nicht vom Finger los. Erst als ich mit den Worten "Lass los, du Scheißkerl" etwas kräftiger zog, kam ich aus der Umklammerung frei. Als der Schmerz nach mehreren Minuten nachlies, wusste ich, dass ich bei dieser Art etwas mehr Respekt haben muss. Kaum vorzustellen, was ein Männchen anrichten kann, das ausgewachsen ist.

Na gut, die Tiere kamen alle in ihre Becken und ich machte erst mal das Licht aus.

Cherax-Regal

Das neue Cherax-Regal im Zuchtkeller.

Mattenfilter mit Luftheber

Die Becken filtere ich mit Eck-Matte und
tschechischem Luftheber.

Cherax-Aquarium

In diesem Becken lebt nun ein Pärchen Cherax cf. monticola.

Cherax-Aquarium

In diesem Becken lebt der "Mini". Ihm wird später das
derzeit tragende Weibchen Gesellschaft leisten.

Cherax monticola - Geschlechtsbestimmung

Geschlechterbestimmung mit Lupe.

Cherax monticola - Geschlechtsbestimmung

Dito

Cherax monticola - einsetzen der Krebse in das Aquarium

Die Tiere werden eingesetzt.

Cherax monticola Weibchen im Aquarium

Das tragende Weibchen in ihrem Aufzuchtbecken.

Cherax monticola Männchen im Aquarium

Der "Mini" in seinem neuen Quartier.

Die Becken hatte ich sicherheitshalber, da Andras sagte, diese Art ist in Flüssen heimisch, mit einer starken Oberflächenbewegung ausgestattet, um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten und außerdem sind einige weiße Lochsteine drin, um den pH-Wert so hoch wie möglich zu halten.

Am folgenden Tag schickte mir Andreas dann auch noch 3 Fotos vom Fundort, die ich hier veröffentlichen darf - vielen Dank dafür an Andreas. nachdem ich mir die Fotos angesehen hatte, war meine Sorge um den Sauerstoffgehalt des Wassers allerdings nicht mehr so groß.

Die Fotos wurden in einer Höhe von 1.640 m aufgenommen.

Cherax monticola - Fundort in Papua - Baliental nahe Wamena Cherax monticola - Fundort in Papua - Baliental nahe Wamena
Cherax monticola - Fundort in Papua - Baliental nahe Wamena

Der Fundort in Papua.

Nun lassen wir die Tiere erst mal ein paar Tage in Ruhe und schauen, wie sie sich eingewöhnen und verhalten. Im Moment sind sie wie erwartet kaum zu sehen.

Fortsetzung folgt



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