Bujurquina sp. "Bolivien" - ein Fortsetzungsbericht
Wer mich oder unsere Internetseite schon länger kennt, der wird meinen, dass ich mich ausschließlich für Malawisee-Cichliden interessiere, aber dieser Eindruck täuscht. Ich kann mich für fast alle Arten von Aquarienfischen begeistern, egal aus welchem Teil unserer Erde sie kommen. Und wie es Bianca vor einigen Monaten geschafft hat, mich für die Haltung und Zucht von Krebsen und Garnelen zu begeistern, war es jetzt Sascha, der mich für eine neue Art südamerikanischer Cichliden eingenommen hat - für Bujurquina sp. "Bolivien".

Angefangen hat es im Herbst 2006, als wir die Ausgabe 6/2006 der Zeitschrift "Aquaristik" aus dem Dähne-Verlag in unserem Briefkasten fanden. Ich muss den Artikel wohl völlig ignoriert haben, aber Sascha hat ihn entdeckt, den Artikel von Herrn Professor Jörg Albering über diese erst vor wenigen Monaten nach Deutschland importierten Cichliden. Irgendwie hat es bei ihm wie ein Blitz eingeschlagen - er müsse diese schönen Fische einfach haben.

Nun stellte sich für ihn natürlich die Frage, woher wir sie bekommen können. Die logischste Variante war natürlich, diese Art mit Hilfe einer Suchmaschine im Internet zu suchen. Das Ergebnis war niederschmetternd - die Suchergebnisse beschränkten sich ausschließlich auf andere Arten dieser Gattung. Auch die Suche nach dem Namen des Autors verlief ohne Ergebnisse, weil sich der Druckfehlerteufel in den Text eingeschlichen hatte und Herr Albering somit Alberling hieß. Nur durch Zufall kam trotzdem ein richtiges Suchergebnis.

Auf der Internetseite von Herrn Albering (www.aquanet.de/privat/albering) war Bujurquina sp. "Bolivien" aber auch nicht zu finden. Also blieb nur noch die direkte Kontaktaufnahme per E-Mail zu Herrn Albering als letzte Möglichkeit übrig. Die Frage, ob Herr Albering über Nachwuchs verfüge, von dem er einige Tiere abgeben könne, wurde von ihm zu Saschas großer Enttäuschung verneint. Irgendwie konnte ich mich aber nicht so darüber ärgern, denn eine bejahende Antwort hätte wohl für mich eine Reise nach Österreich nach sich gezogen. Herr Albering konnte ihm aber eine andere Frage beantworten, nämlich die, ob er jemanden in Deutschland kenne, der diese Art pflege und vielleicht auch nachzüchte. Die Empfehlung fiel auf Herrn Krahnefeld, Vorsitzender des AK "Großcichliden". Die E-Mail-Anfrage an Herrn Krahnefeld war auch nicht so erfolgreich, erbrachte aber einen weiteren Namen, Herrn Schreiber, Kassierer des AK "Großcichliden" in Roßlau. Die E-Mail an ihn brachte dann endlich den ersehnten Erfolg - Herr Schreiber hatte zu dieser Zeit gerade ein brütendes Pärchen im Aquarium. Er bot Sascha an, ihm einige Jungtiere aus dieser Brut aufzuheben. Ich war auch ein wenig erleichtert, denn Roßlau ist lediglich 58 km von Magdeburg entfernt.

Nun hieß es nur noch geduldig warten, bis die Jungtiere eine Größe erreicht hatten, mit der wir sie abholen konnten. Dieser Tag war dann endlich am 3.2.2007 erreicht.

03.02.2007

Heute war es nun endlich soweit, wir konnten die Bujurquina sp. "Bolivien" von Herrn Schreiber aus Roßlau abholen. Außerdem wollte er mit uns noch zu einem nahegelegenen Teich fahren, damit wir gleich einen Eimer Cyclops für die Jungen mitnehmen konnten. Um 10:00 Uhr machten sich Sascha und ich auf den Weg, und Dank Navi war die Adresse auch sofort gefunden. Aufgrund irgendwelcher Verständigungsprobleme hatte uns Herr Schreiber schon früher erwartet und war nun bereits zum Teich aufgebrochen. Eine kurze Wegbeschreibung von ihm selbst am Telefon, Handy sei Dank, und noch einer von Frau Schreiber, sollte uns helfen, den Weg zum Teich allein zu finden. Nachdem wir uns einmal kräftig verfahren hatten, denn ein Navi tut seine Dienste nur, wenn man eine Anschrift eingibt, die ein Teich mitten im Gelände aber leider nicht hat, fanden wir Herrn Schreiber heftig mit einem großen Käscher winkend am Ufer eines wunderschönen Teichs. Und nachdem sein Eimer und auch unser Eimer mit Cyclops gefüllt waren, ging es wieder zurück nach Roßlau, gespannt auf seine Aquarien. Ich muss sagen, wir haben schon eine Menge Aquarienräume und -keller gesehen, aber dieser war wohl der kleinste, den man sich überhaupt vorstellen kann. Wir konnten nicht einmal aufrecht stehen, was natürlich den Aquarien und ihren Bewohnern überhaupt nichts ausmachte. Und in einem großen Becken mit den Elterntieren schwamm ein kleines Aufzuchtbecken mit 12 jungen Bujurquina. Nachdem Herr Schreiber sie in unseren Eimer überführt hatte und wir noch ein Weilchen gefachsimpelt hatten, machten wir uns auf den Heimweg, und etwa eine Stunde und eine Thüringer Bratwurst später konnten die Kleinen ihre vorübergehende neue Heimat in einem unserer 25-Liter-Aufzuchtbecken beziehen. Und auch ein Foto ist uns schon gelungen:

Bujurquina sp. Bolivien

Nun müssen sie wachsen und gedeihen, bis sie ins "Große" umziehen können und uns hoffentlich ordentlich Nachwuchs bescheren.

21.04.2007

Eigentlich ist in den letzten Wochen in Sachen Bujurquina noch nichts Aufregendes passiert, trotzdem denke ich, ist es Zeit, mal wieder ein paar Sätze zu schreiben.

Die kleinen Cichliden hatten einige Zeit nach dem Einsetzen in das Aufzuchtbecken ihre Scheu verloren. Folge dessen war dann, dass sie nicht mehr ängstlich in einer Ecke saßen, wenn ich mit der Kamera vor dem Becken erschien, sondern sie schwammen völlig ohne Angst im Becken und vor der Kamera herum, aber in einem derartigen Tempo, dass ich sie nicht mehr fotografieren konnte.

Die Umstellung von Tümpelfutter, mit dem die Jungtiere in den ersten Wochen gefüttert wurden, auf unsere Futtersorten, also Frostfutter und Granulate, verlief ohne jeglche Schwierigkeiten.

Vor einigen Wochen haben wir sie dann umgesetzt, und zwar in das 70er Becken, in dem auch noch die Jungtiere von Microgeophagus altispinosus aufwachsen. Trotz anfänglicher Bedenken, dass es zu Rangeleien kommen könnte, ging erstaunlicherweise alles friedlich vonstatten.

Vor einigen Tagen haben wir uns entschlossen, die ersten Jungtiere zusammen mit einigen Jungtieren von M. altispinosus in das 140-Liter-Becken zu den alten M. altispinosus zu setzen. Probleme befürchteten wir nun nicht mehr, zumal die Jungtiere alle bereits um die 5 cm groß waren. Und tatsächlich harmonieren alle Fische sehr gut miteinander.

Diese Umsetzaktion haben wir dazu genutzt, die Bujurquina in unserer neuen Fotokuvette, die uns Glastechnik Kittner freundlicherweise geklebt hat, zu fotografieren. Hier das Ergebnis:

Bujurquina sp. Bolivien

Jungtier in der Fotokuvette

Bujurquina sp. Bolivien

Jungtier im 140-Liter-Becken

26.05.2007

Vor ca. 3 Wochen haben wir uns entschlossen, für die Bujurquina ein gesondertes Becken in Saschas Zimmer aufzustellen. Da bei den Großeltern noch eine Abdeckung mit den Maßen 80 x 30 im Keller lag, sollte das Becken nun passend dazu angefertigt werden. Eine große Wurzel, die schon seit mehreren Wochen in der Regentonne lag und auf eine sinnvolle Verwendung wartete, konnte nun auch auf eine frohe Zukunft hoffen. Da diese Wurzel aber recht hoch ist, muste das Becken ebenfalls entsprechend hoch sein, denn zum Absägen war sie uns zu schade. Also wurde das Becken bei Glastechnik Kittner mit den Maßen 80 x 30 x 45 bestellt und wenige Tage danach geliefert.

Mittlerweile ist eine kleine Gruppe Jungtiere in dieses Becken eingezogen. Das größte Jungtier dürfte inzwischen etwa 7 - 8 cm groß sein. Später werden wir in diesem Becken nur ein Pärchen halten, und zwar das Pärchen, das als erstes Ablaichen wird.

Bujurquina sp. Bolivien

Das neue Becken

Bujurquina sp. Bolivien

Jungtiere im neuen Becken


27.07.2007

Aus der Zeit von meiner letzten Fortsetzung bis vor einigen Tagen gibt es nur einige Kleinigkeiten zu berichten.

Als vor einigen Wochen dieses wilde unentschlossene Sommerwetter begann, fingen die Bujurquina an, äußerst schreckhaft und scheu zu werden. Bei der kleinsten Bewegung im Zimmer, ja selbst wenn man still saß und nur den Kopf drehte, schossen alle hinter die Wurzeln. Unsere Theorie ging mangels einer besseren Erklärung in die Richtung, dass es mit dem stark schwankenden Luftdruck zu tun haben könnte. Auch Prof. Albering fand keine bessere Erklärung.

Da wir zu diesem Zeitpunkt, zwar zernagt von allerlei Zweifeln, aber doch, der Meinung waren, die Geschlechter nun einigermaßen unterscheiden zu können, fingen wir einige Tiere aus dem Becken und brachten sie wieder runter in den Keller. Im Becken beließen wir nur ein vermeintliches Männchen und zwei Weibchen. Diese Verkleinerung der Gruppe brachte aber keine Änderung bei der Schreckhaftigkeit, was wir im Stillen gehofft hatten.

Mitte Mai brachte mir ein guter Freund, der fast so ein verückter Aquarianer ist wie wir und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hobby-Aussteigern bei der Auflösung ihrer Becken und der guten Unterbringung der Tiere und Pflanzen behilflich zu sein, einen blauen Müllsack voller Pflanzen an, den wir auf meiner Wiese im Garten einer genaueren Untersuchung unterzogen. Neben einigen Vallisnerien und einigen riesigen Anubias barteri kramte ich einige interessante Cryptocorynen aus dem Sack, deren Identität wir bisher leider nicht festellen konnten. Von dieser Art behielten wir zwei schöne Exemplare. Eine davon landete im Keller, die andere im Bujurquina-Becken. Wenn wir im September zum Jahrestreffen des AK Wasserpflanzen fahren und dort Frau Christel Kasselmann treffen, hoffe ich ein Jungpflänzchen mitnehmen zu können und es von Frau Kasselmann bestimmen zu lasssen. Im Sack war aber noch etwas anderes, und zwar einige Cryptocoryne aponogetifolia, von denen wir auch zwei Exemplare behielten und wovon eine zu unserem Erstaunen 1,40 Meter lang war. Auch dieses Exemplar befindet sich jetzt im Bujurquina-Aquarium.

Cryptocoryne

Die unbestimmte Cryptocoryne.

Cryptocoryne aponogetifolia

Richtig spannend wurde es aber vor ein paar Tagen. Zwei der Cichliden begannen, unter der rechten Wurzel eine Grube auszuheben. Außerdem wurde das dritte Tier immer wieder fortgejagt. Und gestern erhielt ich im Büro einen Anruf von Sascha, dass die Bujurquina abgelaicht hätten, und zwar auf einem Buchenblatt. Man muss nun aber nicht denken, dass die beiden so gelaicht hätten, dass man alles gut beobachten kann. Nein, das Blatt liegt natürlich halb hinter und halb unter der Wurzel, so dass Sascha sein ganzes artistisches Geschick aufwenden musste, um wenigstens ein einigermaßen brauchbares Foto hinzukriegen.

Nun wäre es eigentlich an der Zeit, das dritte Tier herauszunehmen, aber wir wollen noch ein paar Tage warten, um durch die Rührerei im Becken nicht die Brut zu gefährden.

Die Eltertiere kümmern sich bereits sehr gut um den Laich und haben etwas Sand auf dem Blatt verteilt, was wohl eine Art Tarnung des Laichs darstellen soll.

Was ich besonders erstaunlich finde ist, dass die Tiere ja erst knapp 6 Monate alt sind und trotzdem schon die Geschlechtsreife erreicht haben.

Die wichtigsten Wasserparameter haben wir natürlich gleich festgestellt:

GH: 12°dH

KH: 7°dH

pH: ca. 7,5

Leitwert: 635 µs

Eigentlich nichts besonders, sondern unser ganz alltägliches Leitungswasser.

Nun müssen wir ein paar Tage warten und hoffen, dass es schon zu einer ausreichenden Befruchtung gekommen ist, um weitere Brutbeobachtungen durchführen zu und einige Jungtiere großziehen zu können.

Bujurquina

Das Bujurquina-Pärchen über dem Laich.

28.07.2007

Zu unserer großen Freude konnten wir feststellen, dass nach nunmehr 2 Tagen keinerlei unbefruchtete Eier zu sehen sind. Ob es nun daran liegt, dass das Männchen bereits bei seiner ersten Paarung schon sehr gut befruchtet hat, oder ob das Pärchen einfach nur sehr gründlich beim Heraussammeln des Ausschusses ist, lässt sich nicht feststellen.

Es sind jetzt etwa 48 Stunden seit dem Ablaichen vergangen und die Elterntiere haben innerhalb kurzer Zeit die Eier aus den Eihüllen heraus gekaut und tragen sie nun im Maul mit sich herum. Leider konnten wir das Rauskauen nicht beobachten, da es in aller Frühe vor einschalten der Beleuchtung geschehen ist. In gewissen Abständen, die aber nicht regelmäßig sind, tauschen sie ihre Rollen, d. h. sie übergeben die Jungen dem anderen Elternteil, der sie dann eine Weile bei sich trägt. Dort wo das Buchenblatt lag, befindet sich jetzt eine kleine Grube im Sand, in die sie die Jungen spucken, wenn sie die Übergabe durchführen. Auf Grund der ungünstigen Position lässt sich diese Übergabe nur schwer beobachten und schon gar nicht fotografieren, denn sie halten sich ständig an dem Platz auf, an dem sie auch abgelaicht hatten.

Das dritte Tier haben wir nun herausgefangen, um ihm weiteren Stress zu ersparen. Damit den Eltern aber nicht langweilig wird und sie ggf. die Brutpflege vernachlässigen, haben wir als Feindfische ein paar Guppymännchen eingesetzt.

Fortsetzung folgt

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